diskurs12012

Ausgabe 1.2012 – offenes Themenheft

Inhalt Ausgabe 1.2012

Beiträge

Meike Siegfried
Gewalt als das Andere der Macht? Überlegungen im Ausgang von Hannah Arendt und Michel Foucault

Philipp Hölzing
Öffentlichkeit und Privatheit. Rekonstruktion einer Unterscheidung am Beispiel der Theorie von Jürgen Habermas

Gottfried Schweiger
Philosophie und Armut. Überlegungen zu ihrem Zusammenhang

Klaas Schüller
Die Zwecke der Gesellschaft.Vier Modelle sozialer Teleologie

Claudia Simone Dorchain
Die Rächer von Elba. Exil und Gewalt

Marianne Witt
Die Europäische Union in den georgischen Sezessionskonflikten. Ein sicherheitspolitischer Akteur?

Gelesen

Sebastian Klauke
Zur Aktualität der Klassenfrage

Editorial – offenes Themenheft

Liebe Leserinnen und Leser,
nachdem Sie sich im letzten Themenheft von dis|kurs eingehend über die verschiedenen Facetten von Exil informieren konnten, ist diese erste Ausgabe des Jahres 2012 als offenes Themenheft konzipiert. Unserem international breitgestreuten Call-for-Paper sind zahlreiche Autorinnen und Autoren gefolgt. Die Redaktion ist daher sehr erfreut, in dieser thematisch offenen Ausgabe eine qualitativ hochwertige und disziplinäre, methodische, sowie inhaltliche Vielfalt der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung abbilden zu können. Die Beiträge reichen von der analytischen Reflektion ideenpolitischer und philosophischer Auseinandersetzungen des 20. und 21. Jahrhunderts bis hin zur Analyse spezifischer empirischer Problemstellungen.
Den Anfang macht Meike Siegried mit ihrem theoretischen Beitrag „Gewalt als das andere der Macht? Überlegungen im Ausgang von Hannah Arendt und Michel Foucault“. Basierend auf der Feststellung, dass „Macht“ eines der Schlüsselkonzepte der zeitgenössischen politischen Philosophie ist, untersucht sie die Möglichkeit, ob man klar zwischen „Gewalt“ und „Macht“ unterscheiden kann. Dabei durchleuchtet sie sowohl die Ausführungen von Hannah Arendt zu „Macht und Gewalt“ als auch Michel Foucaults Analyse zum Zusammenhang zwischen Macht, Gewalt und Herrschaft. Auch der zweite Beitrag dieses Heftes „Öffentlichkeit und Privatheit. Rekonstruktion einer Unterscheidung am Beispiel der Theorie von Jürgen Habermas“ von Philipp Hölzing widmet sich einer politiktheoretischen Fragestellung. Hölzing stellt mit Blick auf die Forschungsdebatte fest, dass sich zwar viele Wissenschaftler mit dem Öffentlichkeitskonzept von Habermas befasst haben, es aber kein einheitliches Öffentlichkeitsverständnis bei Habermas gibt, sondern insgesamt vier Unterscheidungsformen von Öffentlichkeit und Privatheit bei Habermas erkennbar sind. Diese rekonstruiert Hölzing werksgeschichtlich und bricht so mit dem derzeit gängigen Öffentlichkeitsbegriff. Darauf stellt Gottfried Schweiger in seinen innovativen Ausführungen zu „Philosophie und Armut. Überlegungen zu ihrem Zusammenhang“ fest, dass es zwar zahlreiche philosophische Einzelstudien gebe, die sich mit Armut beschäftigen, doch fehle eine einhellige Meinung, was philosophische Armutsforschung überhaupt ist und was sie leisten kann. Mithilfe der Beantwortung der drei Fragen, was Armut ist, wie sie zu bewerten ist und wie sie bekämpft werden kann, bereitet Schweiger den Weg für seinen Appell, das Feld der Armutsforschung für die Philosophie fruchtbar zu machen und in philosophische Debatten einzubetten. Die „Zwecke der Gesellschaft“ stehen im Blickwinkel des nachstehenden Beitrages. Klaas Schüller diskutiert zunächst mit dem Traditionalismus, dem Totalitarismus und dem Liberalismus drei idealtypische Modelle sozialer Teleologie, um dann mit dem kritizistischen Republikanismus ein Modell vorzustellen, das die Identifikation des Individuums mit dem Gemeinwesen erleichtert und Möglichkeiten zur Reflexion bietet. Der darauffolgende Beitrag „Die Rächer von Elba – Exil und Gewalt“ von Claudia Simone Dorchain ist als nachgelagerter Artikel zum letzten Themenheft „Exil“ (2-2011) zu verstehen. In ihm beschäftigt sich die Autorin mit den jüngsten Ausführungen von Jan Phillip Reemtsma zu „Vertrauen und Gewalt“ und untersucht in diesem Zusammenhang die unterschiedlichen Auswirkungen und Folgen von Exilierung als Gewalterfahrung für die von dieser Betroffenen. Gleichsam sehr aktuell ist der letzte Beitrag dieses Heftes „Die Europäische Union in den georgischen Sezessionskonflikten – ein sicherheitspolitischer Akteur?“ von Marianne Witt, der das Spannungsverhältnis zwischen der zivilen und sicherheitspolitischen Rolle der Europäischen Union unter Einbeziehung von rollentheoretischen Überlegungen in den Konflikten Georgiens mit Russlands analysiert.
Zuletzt möchten wir noch auf zwei Dinge hinweisen: Erstens wird die kommende Ausgabe von dis|kurs ganz im Zeichen von Theorie stehen. Im Mittelpunkt des Heftes wird die simple, aber zentrale Frage „Was kann Theorie?“ diskutiert. Dabei sollen Fragen zum Verhältnis zwischen Theorie, Praxis und Methodologie genauso im Vordergrund stehen wie das Verhältnis disziplinspezifischer Theorien zueinander. Zweitens – und darüber freuen wir uns als Herausgeber sehr – wird dis|kurs ab dieser Ausgabe neben der gewohnten Printausgabe unter der Adresse http://www.diskurs-zeitschrift.de auch als Open-Access-Journal verfügbar sein. Hier stehen nicht nur die Artikel der Printausgabe zur Verfügung, sondern es haben – getreu unserem Selbstverständnis – alle Nutzer die Möglichkeit, sich aktiv an den aufgeworfenen Debatten zu beteiligen, beziehungsweise diese zu initiieren.
Was bleibt, ist, Ihnen eine gewinnbringende Lektüre zu wünschen.

Bastian Walter

 

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