Jetzt einreichen! Theoretisch innovative Analysen politischer Praxis

diskurs sucht wissenschaftliche Analysen, die politische Praxis und politische Theorie in einen engen Dialog treten lassen. Politische Praxis erhält erst durch die theoretische Reflexion einen empirischen Stellenwert – theoretische Innovation wiederum beruht auf der Irritation von Theorie durch die empirische politische Praxis. Nur durch eine wechselseitige Sättigung und Interaktion von Theorie und Empirie kann ein angemessenes Verständnis der unendlich vielfältigen politischen Praxis gewonnen werden.

Ausgabe 2013 – Wissenschaft am Scheideweg

Die gesellschaftliche Bedeutung von Wissenschaft ist erheblich und vielgestaltig: Wissenschaft ist dem stetigem Ringen um Erkenntnis verpflichtet, soll durch technologische Innovation Wohlstand sichern, bildet junge Menschen aus und ist nicht zuletzt Gegenstand, Akteur und Argument in politischen Konflikten. diskurs möchte mit der vorliegenden Ausgabe einen Beitrag zur Qualität der Debatte über die Zukunft der Wissenschaft leisten. Um die Wissenschaft am Scheideweg auszuleuchten wurden drei Ansatzpunkte gewählt: Partei-Stellungnahmen, Debattenbeiträge zur unternehmerischen Universität und wissenschaftliche Beiträge zum Feld der Wissenschaftspolitik.

Was ist der dritte Stand? Der akademische Mittelbau im postdemokratischen Produktionsbetrieb

Der Text analysiert den Systemwechsel wissenschaftlicher Rationalität an deutschen Hochschulen (Bologna-Reform) unter besonderer Berücksichtigung der Beschäftigungssituation des akademischen Mittelbaus. Dabei wird die These vertreten, dass die Krise der Universitäten nicht allein auf ihre defizitäre Finanzausstattung und fehlgeleiteten Geldflüsse zurückgeführt werden kann, sondern auch in den postdemokratischen Machtverhältnissen der technokratisierten Bologna-Dienstleistungsuniversität begründet liegt, die in besonderem Maße prekäre Beschäftigungsverhältnisse und hochschulpolitische Berufsverbote (WissZeitVG) einsetzt, um das wissenschaftliche Feld strategisch zu schließen. Theoretisch fundiert und anschlussfähig gehalten wird die Analyse daher mit dem Konzept symbolischer Gewalt (Pierre Bourdieu) als Matrix verfestigter asymmetrischer Machtverhältnisse, die auf politischen Strategien beruhen und auf die Stabilisierung einer spezifischen Anerkennungs- und materiellen Verteilungsstruktur gerichtet sind.

Transnationale Hochschulbildung. Wer »exportiert« eigentlich die deutschen Studienangebote ins Ausland?

Internationalisierung im Wissenschafts- und Forschungsbereich ist in Deutschland spätestens seit der im Jahr 2008 durch den Bund verabschiedeten politischen Strategie zu einer Angelegenheit von national politischem Interesse geworden. Im Zentrum der politischen Planung stehen dabei folgende Kernaufgaben: »(1) die Forschungszusammenarbeit mit den weltweit Besten zu stärken, (2) Innovationspotenziale international zu erschließen, (3) die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern in Bildung, Forschung und Entwicklung nachhaltig zu stärken sowie (4) international Verantwortung übernehmen und globale Herausforderungen bewältigen« (Bundesministerium für Bildung und Forschung 2008, 5f.). So sollen sich deutsche Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen im internationalen Wettbewerb profilieren, um sich den Herausforderungen einer global agierenden Wissensgesellschaft zu stellen.

Exzellenz und hegemoniale Strategie. Zur Doppelmoral und Schwäche liberaler Wissenschaftspolitik

Malte Albrecht analysiert die Exzellenzinitiative als hegemoniales Projekt. Er illustriert dabei detailliert die verschiedenen diskursiv-hegemonialen Strategien der Exzellenzinitiative und kommt zum Schluss, dass sich unter dem Zeichen der Exzellenz nunmehr eine stabile hegemoniale Formation zur Neuausrichtung der Universitäten etablieren konnte.

Selling Socrates, or the Unexamined Life and the University

This article starts from Martha C. Nussbaum’s claim that the dominant understanding of (higher) education as a commercial undertaking needs to be countered by Socratic pedagogy. Nussbaum makes this claim both in the recent Not for Profit (2010) and her earlier Cultivating Humanity (1997). For her, the future of democracies is at stake. Nussbaum’s claim starts an investigation into the practice of teaching at an Institute of Higher Education in the United Kingdom. First, I consider some of the consequences of the marketisation of higher education for the practice of teaching. Secondly, I consider a particular practice of Socratic dialogue, namely that developed by the German philosopher and mathematician Leonard Nelson and others. I will conclude that this form of Socratic Dialogue indeed provides an alternative to the growing marketisation of Higher Education, but questions Nussbaum’s confidence in Socratic Dialogue as a tool for promoting democracy. I will also argue that it is essential, as well as difficult, to introduce practice into this debate.

Hochschulbildung in öffentlicher Verantwortung – Erklärungsversuche für die Stabilität des deutschen Systems

Seit den späten 1990er Jahren ist eine verstärkte Reformtätigkeit im deutschen Hochschulsystem zu beobachten, die begleitet ist durch den europäischen Bologna-Prozess und dessen Implementation in den nationalen Systemen. Im Gegensatz zu anderen staatlichen und staatsnahen Aufgabenbereichen wie der Telekommunikation oder der Stromversorgung erfolgten im Hochschulsystem aber keine umfangreichen Privatisierungen.

Wir können auch anders! Alternativen zur „unternehmerischen Hochschule“

In Gütersloh und Essen wurden die Blaupausen entwickelt, in München und Hamburg, Heidelberg und Lüneburg arbeitet man mit Hochdruck an der Umsetzung: Hochschulen werden nach dem Vorbild gewerblicher Unternehmen und betriebswirtschaftlicher Steuerungsmodelle umgebaut. Mit schwer wiegenden Folgen. Die Kompetenzen der gewählten Kollegialorgane werden auf bloße Beratungsfunktionen reduziert, die Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten und Studierenden werden abgebaut. Auch die Selbstverwaltungsrechte der Professorinnen und Professoren werden grundsätzlich in Frage gestellt, wenn autokratische Hochschulleitungen und Dekanate und mit externen Wirtschaftsvertreten besetzte Hochschulräte das Sagen haben. Konsequenterweise hat man im baden-württembergischen Hochschulgesetz die Hochschulräte in „Aufsichtsräte“ und die Rektorate in „Vorstände“ umbenannt.

Lob der unternehmerischen Universität. Ihre Chancen liegen in der neuen Macht der Präsidien und Rektorate, ihre Risiken in deren Führungskompetenzen

Die „unternehmerische Universität“ ist in Verruf geraten. Unumstritten war die mit ihr verbundene Konzeption einer stärker entstaatlichten Hochschule nie, aber in letzter Zeit werden die Töne schriller. Richard Münch begreift sie in seinem Buch „Akademischer Kapitalismus“ (2010) „als Entdifferenzierung und als Kolonisierung aller gesellschaftlichen Funktionsbereiche durch die Gesetzmäßigkeiten der Ökonomie und die Begrifflichkeiten des ökonomischen Denkens, in vulgärer Gestalt durch die Phrasen der Management-Rhetorik“, und in ähnliche Richtung kritisiert Stefan Kühl (2012) in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den „Mythos der unternehmerischen Universität“, wenn er vorschlägt, unter ihr nur eine Hochschule zu verstehen, die sich maßgeblich über den Verkauf von Dienstleistungen refinanziert.

Vor der Bundestagswahl: Wie positionieren sich die Parteien zur Wissenschaftspolitik? [Infografiken / Übersicht]

Wie positionieren sich die Parteien vor der Bundestagswahl in der Wissenschaftspolitik? Wir haben die Parteien um Debattenbeiträge gebeten und fassen nun die Ergebnisse in zwei Infografiken zusammen. Dabei geht es um Hochschulfinanzierung, Exzellenzinitiative und Situation des wissenschaftlichen Nachwuchs.