Elemente des identitären Antisemitismus. Philosophische Reflexionen über die falsche Wahrheit der Identitären Bewegung

Stefan Vennmann

Technische Universität Dortmund, Institut für Philosophie und Politikwissenschaft

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Abstract

This article deals with the conception of ethnopluralism within the European new right movement Identitäre Bewegung and aims at a critique of its problematic implications. While the identitarian activists pretend neither to be racist nor anti-semitic, the article tries to show, that antisemitism is a constitutive element of the ideology of ethnopluralism that strives for a biologization and ethnization of political communities as well as at a political order based on antidemocratic and exclusionary practice. In this case, the fundamental theoretical aspects of ethnopluralism and its immanent antisemitism in the works of Schmitt, Heidegger, Benoist and Faye will be discussed with the goal of focusing onto the identitarian use of ethnopluralism and the ongoing reproduction of anti-semitic stereotypes.

Keywords

Identitäre Bewegung, Neue Rechte, Ethnopluralismus, Antisemitismus, Antiamerikanismus


In der gegenwärtigen gesellschaftlichen Konstellation scheint es notwendig, sich in theoretischen Analysen politischer Praxis mit der neurechten Identitären Bewegung (IB) auseinanderzusetzen, die als junges Phänomen nur partiell analysiert wurde (Bruns et al. 2016a, Bruns et al. 2016b, Eckes 2016, Kökgiran und Nottbohm 2013) – und dann insbesondere mit Bezug auf ihre politische Strategie, nicht auf die problematischen Implikationen ihrer Theorie. Gerade dadurch, dass die IB zwar als extrem rechte Vereinigung einzustufen versucht wird, sich aber öffentlichkeitswirksam unter dem Slogan »100% Identität – 0% Rassismus« (Menzel 2012a) inszeniert, scheint eine Analyse ihrer philosophischen Grundprämissen gewinnbringend. Martin Sellner, ideologischer Kopf und Co-Leiter der IB Österreich, fasst den Umgang mit Antisemitismus und allgemeinen Erscheinungen von ›Extremismus‹ folgendermaßen zusammen, um vermeintliche Unvereinbarkeit mit den Idealen und Zielen der IB zu suggerieren:

»wenn die Leute extremistisch werden oder rassistisch werden oder antisemitisch werden, haben sie bei der IB gar nichts verloren […] und sind bei uns auch nicht willkommen.« (Sellner 2017a, 0:28)

Damit scheint die Positionierung mehr als deutlich. Für die theoretische wie praktische Arbeit der IB ist dabei konstitutiv, dass sie gekonnt weiß, die gesellschaftlichen Tendenzen, die im Kanon von rassistischer Gewalt, der Forderung nach ›sicheren‹ Außengrenzen und der ›Islamisierung des Abendlandes‹ perpetuieren, für sich nutzbar zu machen. Die IB versteht sich dabei als politische Bewegung, die sich uneingeschränkt der Etablierung der absoluten Wahrheit verschrieben hat, die die gesellschaftlichen Eliten vermeintlich systematisch manipulieren.

Für die Analyse ist es dabei weniger von Bedeutung, ob Wahrheit im Foucault’schen Sinne durch Macht und Diskurse strukturiert ist (Foucault 1978, 51), oder im Sinne Hegels als dialektische Bewegung des Gegenstands (Hegel 1807, 82) verstanden wird. Beide weisen, nach unterschiedlichen theoretischen Prämissen, darauf hin, dass Wahrheit kein statischer Begriff ist, sondern erst in Bewegung seine Bedeutung entfaltet (Adorno 1958, 33). Wahrheitsbegriffe, die sich weder auf ein diskursives noch dialektisches Verständnis stützen, sind letztlich, durch Bezug auf ein ›Absolutes‹ oder ›ewiges Sein‹, eine metaphysische Konzeption (ebd., 31). Die Wahrheit ist nur aus der vorgefundenen und starren Allgemeinheit, nicht aus der logischen Bewegung zu erklären. Der Wahrheitsanspruch der IB gründet sich damit nicht auf eine philosophische Reflexion, sondern auf das »schicksalhafte Dasein […] der Gemeinschaft, des Volkes« (Heidegger 1967, 384), das durch einen »territorialen Imperativ« (Benoist 1985, 69) bestimmt wird und sämtliche menschliche Handlungen »im vorhinein [sic!]« (Heidegger 1967, 384) determiniert.

Der Charakter der identitären Wahrheit ist dabei ein doppelt selektiver, denn nicht gesellschaftliche und ökonomische Strukturen, sondern »Massenmigration, Globalisierung und One-World-Propaganda« (Identitäre Bewegung 2017a) werden als das zentrale Problem der Moderne identifiziert. Resultat sei der ›Große Austausch‹ (Camus 2016), die systematische Vernichtung der ethnokulturellen Identitäten Europas durch Migration aus islamischen Ländern. In der identitären Revolte gegen eben diese vereinigen sich nicht nur rassistische Motive, sondern auch die Notwendigkeit zur Ethnisierung des Politischen. Die scheinbare Zurückweisung von Antisemitismus lässt sich als die andere Seite doppelt-selektiver Wahrheit illustrieren. Im konkreten Fall bedeutet dies, dass die Literaturexegese der philosophischen Referenzpunkte nach Maßstäben geleistet wird, die systematisch implizite und explizite antisemitische Motive ausblendet.

Der Versuch, die Logik der IB mithilfe ihres eigenen philosophischen Instrumentariums zu rekonstruieren und zu kritisieren, ist nicht neu, wird doch entweder auf die Relevanz von Martin Heidegger, Julius Evola (Brumlik 2016, 85f) und Carl Schmitt (Weiß 2017, 187f; Salzborn 2017, 63f) oder auf antisemitische Momente der Neuen Rechten allgemein (Weiß 2017, 225) hingewiesen. Dabei bleibt der Zusammenhang von Ethnopluralismus in Schmitt’scher Tradition und Antisemitismus im konkreten Fall der IB aber nur defizitär beleuchtet. Auch wenn der Antisemitismus anhand von Medienanalysen und breiter Materialbasis kritisiert wird, fehlt ein eindeutiger Bezug auf dessen ideengeschichtliche Aspekte (Rajal 2017).

Im Folgenden soll der durch Rhetorik verschleierte Antisemitismus anhand relevanter Werke neurechter Theorie und Philosophie sowie auf Grundlage von Youtube-Videos, die ein zentrales Medium des identitären Aktivismus darstellen, rekonstruiert, die aktuelle politiktheoretische Genese der IB näher erläutert und aus der Tradition ethnopluralistischer Ideologie heraus als notwendiges Element neurechten Denkens dechiffriert werden.

Da die genannten Autor*innen sich meist nicht umfassend mit dem philosophischen Hintergrund des Ethnopluralismus auseinandersetzen, scheint es notwendig eben diesen zu extrahieren und darzustellen, dass es sich bei Ethnopluralismus nicht nur um eine Ideologie handelt, die seitens der IB popkulturell inszeniert wird und daher für die Forschung im Kontext sozialer Bewegungen eine Rolle spielt. Vielmehr handelt es sich um ein philosophisches und gesellschaftstheoretisches Phänomen, dem sich auch die politische Philosophie mittels detaillierter Begriffsanalyse annehmen sollte. Daher soll illustriert werden, dass Ethnopluralismus eine Ideologie verkörpert, die nur vermittels neurechter Propaganda einen vermeintlichen Wahrheitsgehalt entwickelt, der eo ipso auf naturalistischen, rassistischen und antisemitischen Prämissen beruht. Deren Kritik erfordert primär eine Auseinandersetzung mit der philosophischen Tradition, nicht der politischen Praxis.

Zum theoretischen Fundament ethnopluralistischer Ideologie

Kökgiran und Nottbohm gehen in ihrer Darstellung der IB zwar auf den Begriff Ethnopluralismus ein, eine exakte Analyse seiner Bedeutung für ihre politische Theorie bleibt dabei allerdings aus. Es wird lediglich auf die Begründung des Ethnopluralismus durch den neurechten Schlüsseltheoretiker Alain de Benoist Bezug genommen. Dies suggeriert, dass die Theorie des Ethnopluralismus eine relativ kurze Ideengeschichte aufweist.

Das mag auf den Fokus der Autor*innen zurückzuführen sein, sich mit dem Kampf um Symbole und dem »Bestreben, linke Diskurse ideologisch zu besetzen und umzudeuten« (ebd., 331) zu beschäftigen. Ihnen geht es nicht um eine Kritik der ethnopluralistischen Ideologie, vielmehr verstehen sie Ethnopluralismus als diskursive Strategie, die sie richtigerweise als »eine Verteidigung kultureller Identitäten und einer Verherrlichung (éloge) der Differenz […] [aus der] ein Recht auf Differenz gefolgert [wird]« (Taguieff 1998, 236, Herv. i. O.) analysieren. Dennoch wird nicht erkannt, dass die ethnopluralistische Theorie vielmehr die Basis bildet, auf der versucht wird, die identitäre Hegemonie zu erringen. Der Ethnopluralismus ist nicht diskursive Praxis, sondern ideologisches Fundament, das weit älter ist, als es hier den Anschein hat. Folgend soll daher seine theoretische Herkunft untersucht werden, die außerdem seine antisemitische Akzentuierung bezeugt.

Als theoretischer Urheber kann Carl Schmitt gelten, auch wenn er selbst den Begriff nicht benutzte, sondern vom »Pluriversum« (Schmitt 2002, 54) der Völker sprach. Schmitt konzipiert einen Begriff des Politischen, der auf der Basis eines irrationalen Kollektivismus, ausgestattet mit biologistischen Elementen, den wichtigsten Aspekt für die Theorie des Ethnopluralismus bildet. Für die Existenz einer politischen Gemeinschaft ist die zentrale Unterscheidung zwischen Freund und Feind konstitutiv. Diese Differenz sei autonom, sogar natürlich, und beruht auf einem Verständnis des Politischen, das nur über einen »äußersten Intensitätsgrad einer Verbindung oder Trennung« (ebd., 27) von Menschengruppen verstanden werden kann.

Die politische Einheit der Freunde konstituiert sich durch Feinde, die als etwas »existenziell […] anderes und Fremdes« (ebd.) charakterisiert werden, sowie durch die »kämpfenden Gesamtheit von Menschen, die einer ebensolchen Gesamtheit gegenübersteht« (ebd., 29, Herv. i. O.). Den Feind zu bestimmen, obliegt der »höchste[n], nicht abgeleiteten Herrschermacht« (Schmitt 1993, 13), die bei Schmitt nichts anderes als die uneingeschränkte Gewalt des politischen Souveräns meint. Nur diese kennt die absolute Wahrheit und kann über die Entscheidung des Kampfes zwischen Freund und Feind gebietet. Diese Ursprünglichkeit der Entscheidung ist dabei »normativ betrachtet, aus dem Nichts geboren« (Schmitt 1993, 42) und somit ein vollkommen leerer Begriff, der lediglich aus einer biologistischen Bestimmung des staatlichen Selbsterhaltungsrechts zu begründen ist. Schmitt unternimmt damit keinen Versuch, politische Entscheidungen zu begründen, sondern fokussiert einen Dezisionismus, der Inhalt und Form der Entscheidung für irrelevant erklärt und sich damit politische Entscheidungen sans phrase aus der völkischen Begründung des Politischen ergeben (Speth 2001, 128). Schmitts Theorem der Freund-Feind-Differenz fußt explizit auf der jede Individualität determinierenden Volkszugehörigkeit, des von »organischem, biologischen und völkischen Verschiedenheiten erfüllten, lebendigen menschlichen Seins« (Schmitt 1934a, 45, Herv. S.V.)

Um einen Feind identifizieren zu können, muss dieser zunächst von der höchsten Instanz des Staates als hostis, als öffentlicher Feind, bestimmt werden. Da der Staat allerdings aus dem Politischen und das Politische aus dem Staat zirkulär-tautologisch definiert wird, leitet Schmitt die Existenz beider Phänomene aus kulturell-religiösen Motiven ab, denn die katholische Kirche dient ihm als »complexio oppositorium« (Schmitt 1984, 11, Herv. i. O.), als »unendliche Form, die alles Widersprüchliche in eine Einheit des Gegensätzlichen […] integriert« (Voigt 2001, 19). Darüber hinaus lassen sich beide Phänomene realpolitisch nur aus einer »eigene[n] künftige[n] Unterwerfung unter eine bodenbezogene, wahre Souveränität« (Elbe 2014, 42) erklären.

Das Politische lässt sich damit nur durch die Suprematie eines biologisch begründeten Volkskörpers, der sich »über jede andere Art von Gemeinschaft« (Schmitt 2002, 48) erhebt, verstehen. Das Politische wird mit einer ontologischen Eigenwilligkeit ausgestattet, die »die Macht über das physische Leben der Menschen« (ebd.) innehat. Das Schmitt’sche Pluriversum der völkischen Entitäten gründet sich nicht auf friedliche Koexistenz, sondern erwächst immer einer wirklichen Situation eines wirklichen Kampfes gegen einen wirklichen Feind (ebd.). Dieser bedroht dabei sui generis die Existenz des Eigenen. Zur Organisation des Kampfes muss der politischen Gemeinschaft zwangsläufig über die in ihr lebenden Individuen verfügen können. Ihnen kommt dabei eine rein instrumentelle Rolle zu, da sie sich ausschließlich als heteronom bestimmte Wesen (Schmitt 2004, 86f) im Sinne einer, ontologisch wie biologisch inszenierten, Aufgabe zu widmen haben: dem Erhalt der politischen Gemeinschaft.

Schmitts Diagnose läuft damit auf die Schicksalsgemeinschaft des Politischen hinaus, die mittels der Notwendigkeit der physischen Vernichtung des inneren und äußeren Feindes durch Krieg ontologisch-biologische Konkurrenzszenarien zeichnet (Elbe 2014, 44f), die eine »rational nicht mehr zu rechtfertigende Gesellschaft durch irrationale Mächte rechtfertigen« (Marcuse 1968, 29). Diese Mächte beschreibt Schmitt als Mythen, die sich aus ›Mutter Erde‹ und ›Blut und Boden‹ speisen. Sie sind allein durch ihr Sein als legitime Kategorien, die keiner weiteren Auseinandersetzung bedürfen und als existenziellen Kategorien des Fundaments des Politischen ohnehin nicht hinterfragbar sind (Schmitt 1988, 13f). Diese biologische Vorrangigkeit des Volkskörpers konstruiert einen politischen Mythos, in dem Schmitt eine konkrete politische Handlungsfähigkeit zu entdecken glaubt. Diese politischen Mythen stellen narrative Symbolsysteme zum Erhalt von politischer Ordnung und Herrschaft durch die Kraft des Irrationalen dar. Sie erzählen von einem zu bewahrenden Anfang, »von Rasse und Abstammung […], Sprache, Tradition, Bewusstsein gemeinsamer Kultur und Bildung, Bewusstsein einer Schicksalsgemeinschaft« (Speth 2001, 121).

Um als völkische Einheit diesen Anfang aufrechtzuerhalten, sei es notwendig »von Angehörigen des eigenen Volkes Todesbereitschaft und Tötungsbereitschaft zu verlangen« (Schmitt 2002, 46), um die »totale Feindschaft zu[m] Gottesurteil eines totalen Krieges« (Schmitt 1937, 239) zu stilisieren. An dieser Phrase lässt sich der explizit ekklesiologische Gehalt des Schmitt’schen Freund-Feind-Dualismus ablesen, denn es bestehen offensichtliche Verbindungen zwischen politischen und theologischen »Denkvoraussetzungen« (Schmitt 2002, 64) die sich aus einem »christologischen objektive[n] Kampf zwischen Gott und Satan« (Bärsch 1998, 30) ergeben. Schmitt verbindet demnach völkische mit christlich-religiösen Motiven, die in nationalsozialistischer Rassentheorie das Verhältnis zwischen ›divinisierten Ariern‹ und ›satanisierten Juden‹ als eines der ewigen Feindschaft, die nur via Vernichtung beendet werden kann, konstituieren (ebd., 333f).

Schmitt spricht nicht nur davon, dass »Juden in breiter Front in die europäischen Nationen« (Schmitt 1982, 108) eindringen, sondern erklärt, dass der »Jude […] der wahre Feind« (Schmitt 1991, 18) sei – demnach muss er »als solcher unschädlich gemacht werden« (Forsthoff 1933, 38) und besitzt im Pluriversum der Völker keinerlei Anrecht auf territoriale Gebundenheit. Darüber hinaus wird die Feindschaft auf »[a]merikanische Finanzleute und russische Bolschewisten« (Schmitt 1925, 22) ausgeweitet, die als Auswuchs der »Formlosigkeit […] des Kosmopolitismus« (Schmitt 1996, 17) gelten. Schmitt bedient sich antisemitischer Stereotypik, die hinter allen Phänomenen des politisch Unerwünschten die Machenschaften jüdischer Mächte erkennt. Diese äußern sich in der Gleichsetzung von Judentum und Kapitalverhältnis, in der Markierung von Liberalismus, Demokratie und Bolschewismus als ›jüdisch‹, die sich in der modernen »Überflussgesellschaft« (Schmitt 2002, 120) als absolute Entwurzelung jeder nationalen Identität manifestiert.

Schmitt schuf so die ideologische Basis dessen, was in der Neuen Rechten unter dem Begriff Ethnopluralismus firmiert. Der Kampf gegen alles ›Jüdische‹ ist damit ein zentrales Motiv Schmitt’scher Feindbildkonstruktion, das auch für die Neue Rechte konstitutiv ist. Schmitt sah eine »neue Ordnungsformation heraufkommen« (Speth 2001, 136), die den Staat durch das Eindringen raumfremder Mächte aushöhlt und zersetzt (Schmitt 1995, 306). Diese Tendenz sah er im Nationalsozialismus als endlich bekämpft an, denn »ehe es in einem neuen Deutschen Reich möglich wurde, für Deutschland die Führung in Europa zurückzugewinnen« (ebd., 397), wurde das Ende des Staates – in Schmitts tautologischer Definition auch das Ende des Politischen – und somit das Verschwinden des Volkskörpers durch den feindlichen Angriff inszeniert. Schmitts geschichtstheologischer Spekulation zufolge kommt allerdings dem Staat in jeder Epoche die Rolle des Katechon zu. War dieser für Schmitt der Nationalsozialismus, der die Zerstörung des Staates beendete, sieht die IB diese »heilsbringende Funktion« (Speth 2001, 137) im Ethnopluralismus.

Schmitts Epitaph

Zwar steht die IB in ihrem politischen Konzept in Schmitt’scher Tradition, übernimmt den konkreten Begriff aber von anderen neurechten Denkern. Durch Alain de Benoists auf relativer Isolation der Völker beruhendem ethno-différencialisme (Benoist 1974-75; Benoist 1999) geprägt, taucht der deutsche Begriff Ethnopluralismus erstmals bei Henning Eichberg auf (Eichberg 1973, 668). Während bei Schmitt die nationalsozialistische Rassenideologie deutlich hervortritt, richtet sich die Kritik neurechter Philosophie scheinbar »gegen den Universalismus« (Eichberg 1978, 8) und »wider alle Rassismen« (Benoist 1985, 68), die nur in dem völkischen Bekenntnis zur »stets kollektiven Identität« (Eichberg 1978, 7) zu erreichen sei. Dass Ethnopluralismus allerdings kein antirassistisches Programm darstellt, soll folgend erläutert werden, da in der neurechten Philosophie lediglich alte Ideologeme in neuen Termini erscheinen.

Für die IB manifestiert der Ethnopluralismus den »Einsatz gegen die seelenlose, anti-identitäre EU, im Namen des echten Europas« (Menzel 2012b). Dieses ›echte Europa‹ geht von der Idee eines europäischen Verbundes föderalistisch organisierter Regionen aus, die räumlich den angestammten, nativ an entsprechendes Gebiet gebundenen ›Völkern‹ zukommt und sich den Werten ›Heimat, Freiheit, Tradition‹ verschrieben haben. Diese Forderung einer ethnopluralistischen Identität der europäischen Völker ist auch schon von Personen aus dem Umfeld der ›Autonomen Nationalisten‹, die sich als »Opfer jener Globalisten, die gewissenlos Jahrtausende alte Völker und Kulturen zerstören« (Media Pro Patria 2008), inszenieren, benutzt worden, die aber in der Rhetorik ihren Antisemitismus kaum kaschieren. Es gilt die simple Formel »Israelis raus aus Palästina, […] Amerika den Indianern […]. Und Deutschland uns Deutschen« (zit. n. Globisch 2011, 203).

Der Antisemitismus der IB hingegen scheint komplexer verschlüsselt zu sein. Während rechte Medienportale wie PI-News ihre Solidarität mit Israel aus instrumentellen, antimuslimischen Motiven schöpfen, dabei allerdings die ›kulturelle Eigenart der Juden‹ in letzter Instanz als biologische stilisieren (Lattrich und Vennmann 2015, 169f), verhält sich die IB auch hier opportunistisch.

»Als echte Ethnopluralisten erkennen wir das Lebensrecht aller Völker an und sehen sie als Teil der Völkerfamilie eines gemeinsamen Planeten. Unsere Feinde sind nur jene, die unsere Identität bedrohen, keine imaginären Achsen des Bösen oder Weltverschwörungen. Wir lehnen jeden Antisemitismus ab, ohne in eine pathologische Überidentifikation mit Israel zu kippen. […] Im Nahostkonflikt wollen wir nicht als eingebildete moralische Instanz Urteile fällen, sondern, wenn überhaupt, unter Anerkennung des Lebensrechts beider Völker vermitteln. […] Es geht uns um Deutschland und Europa und nicht um irgendwelche anti- oder philosemitischen Fixierungen.« (Identitäre Bewegung 2017c)

Die IB verweist also in ihren politischen Forderungen darauf, dass sich »jeder offen und ehrlich zu seiner eigenen Kultur bekennen kann, ohne dabei Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren zu müssen« (Identitäre Bewegung 2017b). Dass diese ›Normalität der eigenen Kultur‹ allerdings nur in einem kulturell präformierten Raum möglich ist, der durch Ausschluss qua Blut und Abstammung konstituiert ist, bleibt unerwähnt. Der Ethnopluralismus gilt ebenso wie Positionen zu Israel und den USA als Elemente identitärer Ideologie, die sich mit Bezug auf die je ›eigene Kultur‹ von rassistischen Vorwürfen abzugrenzen versuchen (Eckes 2016, 104).

Dabei übernimmt die IB allerdings antisemitische Argumentationsmuster ihrer Vordenker, denn das »vornehme Wort Kultur tritt anstelle des verpönten Ausdrucks Rassebleibt aber ein bloßes Deckbild für den brutalen Herrschaftsanspruch« (Adorno 1956, 277). ›Kulturrassismus‹ reproduziere lediglich die selben Kategorien, denn »racism can be expressed either in terms of zoological race or in terms of culture, intellect, tradition, religion or ›collective identities‹« (Spektorowski 2000, 298). Diese Form der Verlagerung rassistischen Denkens ist aber letztlich nur rhetorisches Stilmittel, das da auf Anschlussfähig in der Mehrheitsgesellschaft zurückgreifen kann, wo sich vom Bekenntnis zur NS-Rassentheorie distanziert wird.

Zwar hat Claudia Globisch völlig recht, dass es sich bei Antisemitismus und Ethnopluralismus um unterschiedliche Motive handelt, allerdings lässt sich Ethnopluralismus kaum ohne antisemitische Momente begreifen. Dass »beide nicht immer zwingend Hand in Hand gehen müssen« (Globisch 2011, 206) ist für den Antisemitismus korrekt, der in seiner Wirkmächtigkeit nicht auf die geopolitische Strategie des Ethnopluralismus angewiesen ist. Dem Ethnopluralismus allerdings keine konstitutiv antisemitische Komponente zuzuschreiben, mutet defizitär an. Da ›die Juden‹ gerade nicht der dichotomen Differenz von Wir/Sie entsprächen, sondern dass sie das nicht-identische Dritte bilden, dass außerhalb der ethnopluralistischen Ordnung steht (ebd., 218f), komme ethnopluralistischem Denken per se keine antisemitische Komponente zu, da Juden in der ethnopluralistischen Raumordnung ohnehin keinen Platz innehaben. Dass ›den Juden‹ in keinem Fall ein Platz im Pluriversium zugestanden und ihnen die Rolle des Außerhalb der Ordnung zugeschrieben wird, ist kein Argument gegen, sondern viel mehr das Argument für die inhärent antisemitische Logik des Ethnopluralismus.

Rhetorisch wird dem Judentum zwar ein Existenzrecht auf dem Gebiet Israels zugestanden, den expansiven Tendenzen des Zionismus müsse aber zur friedlichen Koexistenz Einhalt geboten werden. Wie folgend dargestellt werden soll, ist der Ethnopluralismus ein Versuch der Krisenbeherrschung, der die Krisenhaftigkeit der kapitalistischen Gesellschaft nicht mit der ökonomischen Basis, sondern mit dem ›Kampf der Kulturen‹ (Huntington 2002) begründet. Dass diese gegen Universalismus und Globalisierung gerichtete politischen Praxis in der Theorie der IB mit antisemitischen Motiven angereichert ist, wird bewusst selektiert. Obwohl Judentum und Israel als Bollwerk gegen die vermeintlich größte Gefahr der Islamisierung inszeniert werden, reproduzieren sich gleichzeitig antisemitische Ideologeme, in denen die Schmitt’sche Tradition ihr böses Nachleben fristen.1

Kulturlose US-Zerstörungswut

Antiamerikanismus beschreibt eine undifferenzierte Wahrnehmung der USA und vermischt sich mit oft inhaltlich defizitärer Kritik der US-Außenpolitik. Entgegen legitimer Kritik, die sich an amerikanischer Außenpolitik üben ließe, ist Antiamerikanismus Ressentiment, das mit stereotypen Bildern ausgestattet wird: Amerika als Zentrum der Hochfinanz, der kulturlosen Einwanderungsgesellschaft und die daraus resultierende aktive Kulturzerstörung anderer Länder durch militärische Intervention (Fried 2014, 30f). Letztere ist seit der kolonialistischen Expansion das wichtigste antiamerikanische Stereotyp. Insbesondere im frühen zwanzigsten Jahrhundert fand eine Verkettung Amerikas mit einer omnipräsenten jüdischen Bedrohung statt, die sich in Chiffren von Ostküste, New York und Wall Street als Schaltzentrale des globalen Finanzkapitalismus ausdrückt und von dort aus die Weltherrschaft anstrebt (Diner 2002, 91f). Betrachtet man die den USA attestierten geopolitischen Kalküle als zentrales Ideologem der IB, die den expansiven »Cultural Pluralism« (Kallen 1924, 10) als Bedrohung der ethnokulturellen, europäischen Identitäten versteht, gründet sich der positive USA-Bezug lediglich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Denn auch wenn

»Teile der US-Politik ein strategisches Interesse daran haben, dass in Europa kein islamisches Kalifat entsteht, […] [will die IB] nicht zu einer willenlosen Schachfigur in einer transatlantischen, westlichen Allianz werden, sondern als Deutschland und Europa selbstbewusst und eigenständig auftreten.« (Identitäre Bewegung 2017c).

Auch wenn die IB sich tendenziell in der Politik Trumps wiederfindet und Kontakte zur US-Rechten pflegt, gestaltet sich das »egalisierende[…] Moment des Einschlusses in einer heterogenen Einwanderung[sgesellschaft]« (Werz 2011, 167) für ihre ethnokulturellen Bestrebungen als ideologisches Problem, da die One-World-Ideologie europäische Identität zunehmend zerstört (Sellner 2015a, 10:30). Darüber hinaus fungieren die USA in der extremen Rechten seither als Symbol des Universalismus, gegen die sich Europa, als »Raumordnung gegen eine universalistische Ideologie, die die ganze Erde in das Schlachtfeld ihrer Interventionen verwandelt« (Schmitt 1939, 302), positionieren muss. Schmitt unterscheidet dabei in einen wirklichen Feind – für ihn die Juden, für die IB heute Geflüchtete und Migrant*innen – und einen absoluten Feind. Letzterer ist eine Erscheinung der Moderne, der weniger leicht identifizierbar scheint, den es aber »als Ganzes für verbrecherisch und unmenschlich« (Schmitt 1992, 87) zu erklären gilt. Für die neurechte Theorie gelten dabei Marxismus, Liberalismus und Demokratie lediglich als Auswüchse des kapitalistischen US-Universalismus, der gleichzeitig antisemitische Konnotationen aufweist (Beyer 2015, 111f).

Im Anschluss an Schmitts Antiliberalismus habe das »Gespenst des Totalitarismus« (Benoist 2001, 151) seinen Zusammenbruch im 20. Jahrhundert überdauert und habe neue Formen angenommen. Die moderne Gesellschaft vertrete »in vieler Hinsicht eigentlich nur einen Scheinpluralismus« (ebd., 153), denn der universalistische Liberalismus läuft »jederzeit Gefahr […], in eine totalitäre Demokratie umzuschlagen« (Benoist 1985, 121). Aus der Umdeutung kritisch-theoretischen Modernediagnose einer ökonomisierten wie technisch-rationalisierten Totalität (Benoist 2001, 134, 156) extrahiert Benoist die Notwendigkeit, nicht für die freie Gesellschaft, sondern für die Rebiologisierung und –nationalisierung des Politischen einzutreten. Er folgert, dass die »größte Bedrohung unserer Identität […] keine andere Identität [ist,] sondern der politische Universalismus in all seinen Formen« (Benoist 2010, 27). Auch universelle Menschenrechte sind damit abzulehnen, inszeniert Benoist sie doch als ein westliches Konstrukt, das keinerlei Allgemeingültigkeit besitzt, gleichzeitig aber die ethnopluralen Identitäten »im eigentlichen Sinne entfremdet« (Benoist 1985, 74, Herv. i. O.) und sie ihrer Verwurzelung entreißt. Universelle Menschenrechte sind Antagonismen ethnopluralistischer Ordnung, da sie ganz im Schmitt’schen Sinne »eine Einmischung von außen darstell[en], eine andere Art der Bekehrung und Beherrschung, eine Fortsetzung also des kolonialen Syndroms« (Benoist 2004, 73). Für die Apologet*innen des Ethnopluralismus gilt, dass nur aus der Biologie extrahierte Rechte einer ethnischen Gruppe »within an organic and hierarchical society« (Sheehan 1981, 67) existieren können. Diese Gesellschaftskonzeption, die faschistische Superiorität biologischer Merkmale zugrunde legt, ist der erklärte Gegner des »totalitarian universalism« (ebd., 66) der globalen US-Hegemonie.

Die ›Islamisierung des Abendlandes‹ als wirkliche, sichtbare Feindschaft zurückzuschlagen sei dabei nur die erste Instanz gegen die subtilere Agitation der »allmächtigen globalistischen Krake« (Lichtmesz 2015a). Als Manifestation »des Tempel[s] der Hochfinanz und des imperialkapitalistischen Babylon« (Lichtmesz 2015b) forciere sie durch außenpolitische Handlungen systematisch Flucht und Migration, um Europa ihren universalistischen Imperativ aufzuzwingen (Sellner 2015a, 7:27). Die USA als Agent einer solchen Neokolonialisierung der ethnopluralistischen Ordnung zu verstehen, mündet in der Sackgasse einer diffusen, antiamerikanischen Verschwörungsideologie, die als »right wing anticolonialism« (Spektorowski 2000, 296), als Missachtung und Entfremdung der Angestammtheit europäischer Völker, inszeniert wird, die gleichzeitig die neue europäische Identität nach 1945 erst durch effektive Abgrenzung gegen Amerikanisierung konstituiert (Markovits 2009, 221; Beyer 2014, 46f; Jaecker 2014, 329f).

Selbst Guillaume Faye, der durch vermeintliche Kritik an Antiamerikanismus und Antizionismus als ideologischer Gegenspieler Benoists gilt, reproduziert antiamerikanisches Ressentiment. Er fordert, dass sich die europäische Rechte als »non-American and Eurozentric« (Faye 2011, 148) verstehen und auf einen »ineffectual anti-Americanism« (ebd., 150) verzichten sollte. Der mangelnde Widerstand, nicht allein die geopolitische Agitation der USA nach 1945, sei Grund der europäischen Dekulturation und der amerikanischen Kulturhegemonie (ebd., 149). Gleichzeitig existiert ein islamo-amerikanischer Pakt, der Europa systematisch in ihrer ethnokulturellen Kontinuität mittels »Islamisation and her [Europa] transformation into a multi-racial, Africanised society« (ebd., 126) schwächt. Die Differenz zu Benoist ist also lediglich eine graduelle, keinesfalls ein strukturelle. Während Benoist Amerika als Organisator der ›Islamisierung‹ kritisiert, wird Fayes non-Americanism semantisch anders gerahmt. Seine Position unterscheidet sich lediglich qua Inszenierung eines zweiten, autonomen Akteurs in Gestalt des Islams, der unabhängig von den USA, ›Islamisierungsprozesse‹ aus eigenem Weltherrschaftsanspruch heraus organisiert (Faye 2016, 106f).

Wenig anders gestaltet sich das Problem in Bezug auf Israel. Hier kann von einem ethnopluralistischen Antizionismus gesprochen werden, da von Israels »aberrant colonial scheme«, (Faye 2012, 139) die ethnokulturelle Kontinuität in der Region abhinge. Notwendig sei »a country for Jews, another for Muslims, with borders that are definite, clear and heavily guarded, since total apartheid is the key for peace between different peoples« (ebd., 141). Solange Israel zur Anerkennung nicht bereit ist, bleibt es alleiniger Aggressor, der durch mangelnde Kooperationsbereitschaft die Instabilität der Region sowie Migration nach Europa fördere. Hier bedient sich Faye antisemitischer Motive, die die Juden als sinistre Gruppe inszeniert, die im Verborgenen die Geschicke der Welt hin zu ihrer Vernichtung lenkt (Jaecker 2014, 357f). Das zionistische Israel gilt Faye neben dem expansiven Amerika als die andere Seite der neokolonialen Medaille.

Auch wenn es falsch wäre, Antiamerikanismus uneingeschränkt mit Antisemitismus gleichzusetzen (Werz 2011, 166), verbinden sich viele »Einstellungen, die den Bodensatz und die Vorstufen antisemitischer Weltsichten ausmachen, […], zu einer ideologischen Legierung antiamerikanischer Ressentiments« (ebd., 166f). Die IB benutzt diese Legierung, um mit vermeintlicher Kapitalismuskritik ihren immanenten Antisemitismus zu kaschieren. Auch, oder gerade weil, die Existenz einer solchen Weltverschwörung durch die IB durchaus dementiert wird (Sellner 2015b), ist es wichtig, aufzuzeigen, dass sich die Argumentation als eine paradoxe erweist, die öffentlich das eine meint, theoretisch aber auf dem Gegenteil fußt. Nur so ist der Kern der doppelt-selektiven Wahrheit zu entlarven. So sehr die öffentliche Ablehnung von Antisemitismus seitens der IB beteuert wird, so sehr ist er dennoch ihr genuines Ideologem. Horkheimer fasst das Phänomen treffend zusammen, denn die durch den »Niedergang der Kultur bedingte Malaise sucht einen Schuldigen, und […] findet […] die Amerikaner und in Amerika selbst wieder die Juden, die angeblich Amerika beherrschen« (Horkheimer 1967, 408). Über die antiamerikanischen Erklärungsversuche sozialer Verhältnisse kann der regressive Nationalismus, der sich modern als ethnokulturelle Identität gebärdet, »leicht in die Richtung des […] Antisemitismus gelenkt werden« (ebd., 409). Diese ideologische Korrelation drückt sich besonders in einem spezifischen Ideologem aus, das seit dem militärischen Sieg über Deutschland 1945 strömungsübergreifend die politische Agenda der extremen Rechten konstituiert.

›Schuldkult‹, die schwarze Messe transatlantischer ›Höllenprediger‹

›Schuldkult‹ bezeichnet die begriffliche Abwertung der wissenschaftlichen und erinnerungspolitischen Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, die maßgeblich von neokonservativen bis hin zu sich offen zum Nationalsozialismus bekennenden Akteur*innen als Politikum inszeniert wird. Allen ist gemein, dass sie mit Bezug auf Kultur, Tradition und Ehrwürdigkeit vor dem Nationalsozialismus den Versuch unternehmen, Deutschland als historische Größe wieder instand zu setzen und somit an eine zwangsläufige Abwehr deutscher Schuld anzuknüpfen (Suermann 2013, 226). In der vom Institut für Staatspolitik (IfS), der institutionalisierten Denkfabrik der IB, herausgegebenen Broschüre Meine Ehre heißt Reue heißt es, dass es dem deutschen Volk nicht gelungen sei, aus »seiner historischen Schuld und deren ständiger Bewältigung« (Institut für Staatspolitik 2007, 38) eine neue Nationalidentität aus seiner jahrhundertealten Tradition zu generieren. Dabei wird die Inszenierung des ›Schuldkultes‹ auch massiv durch Aktivist*innen der IB rezipiert.

Martin Sellner äußert sich in diversen Videos zur »negative[n] Ideologie des Selbsthasses« (Sellner 2017b, 8:01), und referiert Inhalte, die für die Philosophie der Neuen Rechten in Deutschland insgesamt konstitutiv sind. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn Sellner nicht nur Rolf Peter Sieferles Buch Finis Germania als Element seiner Argumentation rezitiert, sondern sich auch implizit und explizit auf Martin Heidegger bezieht, dessen Begriff von Schuld im Werkkontext eine besondere Bedeutung besitzt. Sellners Begeisterung für Heidegger, dessen Philosophie als »Denken und Hören auf das Sein, organisch in den politischen Kampf einer Massenbewegung« (Sellner und Spatz 2015: 90) der IB eingebunden ist, zeigt, dass die Überwindung des ›Schuldkultes‹ nur in der politischen Praxis des Ethnopluralismus zu finden sei. Es ist daher zentral, die Interdependenz beider Phänomene mit Hinblick auf die Referenzpunkte Sieferle und Heidegger zu rekonstruieren sowie der politischen Praxis der IB zu kontrastieren.

Finis Germania, in diffusem, unwissenschaftlichem Duktus verfasst, ist das jüngste argumentative Rüstzeug gegen die deutsche Erbsünde, dass sich umfassend antisemitischer Motive bedient. Titelgebend ist eine marginale Abwandlung des Ausrufs ›Finis germaniae! Vae victis!‹ der 1880 von Wilhelm Marr gegründeten Antisemitenliga, aus der sich der politische Antisemitismus in Deutschland zu organisieren begann. Die elementarste These des Werkes symbolisiert die totale Verweigerung der Auseinandersetzung mit der Shoah, denn

»[d]er Nationalsozialismus, genauer Auschwitz, ist zum letzten Mythos einer durch und durch rationalisierten Welt geworden. Ein Mythos ist eine Wahrheit, die jenseits der Diskussion steht. Er braucht sich nicht zu rechtfertigen, im Gegenteil: Bereits die Spur des Zweifels, die in der Relativierung liegt, bedeutet einen ernsten Verstoß gegen das ihn schützende Tabu. Hat man nicht gar die ›Auschwitzlüge‹ als eine Art Gotteslästerung mit Strafe bedroht? […] ›Auschwitz‹ ist zum Inbegriff singulärer und untilgbarer Schuld geworden« (Sieferle 2017, 64).

Sieferle stellt hier die Existenz der Shoah zur Disposition, ohne das Verbrechen explizit zu bestreiten. Er sucht die Nähe zu Leugner*innen und stattet jene mit einer heroischen Aura aus, die sich im ›heldenhaften Kampf‹ für die vermeintliche Wahrheit sogar sozialen und juristischen Konsequenzen aussetzen. Dass die Leugnung der Shoah strafrechtlich verfolgt wird, scheint ihm »die Wahrheit eines Mythos« (ebd., 70) zu offenbaren, der das »Ritual der Vergangenheitsbewältigung […] [zu] einer veritablen Staatsreligion« (ebd.) erhebt. Diese resultiere unweigerlich aus dem »Sieg des Westens 1918 und dann noch einmal 1945« (ebd., 11) und entlarvt den ›Schuld-Kult‹ als Konstrukt einer transatlantischen Verschwörung, die die Deutschen ihre ethnokulturelle Identität lediglich ex negativo als ›ewiges Tätervolk‹ bestimmen lässt.

Bei dieser, letztlich von den Alliierten oktroyierten, »Kollektivschuld […] handelt es sich […] um eine Schuld von metaphysischen Dimensionen« (ebd. 65). Der Begriff der metaphysischen Schuld ist Teil der 1946 entwickelten Schuldtypologie Karl Jaspers. Diese Kategorie zielt darauf ab, dass jeder Mensch mitverantwortlich für »alles Unrecht und alle Ungerechtigkeit in der Welt [ist], insbesondere für Verbrechen, die in seiner Gegenwart oder mit seinem Wissen geschehen« (Jaspers 1996, 17). Jaspers gelangt im Verlauf zu dem Ergebnis, dass notwendig eine kollektive, politische

Haftung für die Verbrechen übernommen werden müsse.2 Da Haftung und Verantwortung für Sieferle aber »von einer persönlichen Beziehung geprägt« (Sieferle 2017, 12) sind, deutet sich hier vielmehr der Bezug auf Heidegger an, der Schuld als »Seinsart des Daseins« (Heidegger 1967, 283), als individuelle Existenzbedingung des Menschen, versteht. ›Schuldigsein‹ kann weder vermieden noch von einem moralischen Standpunkt aus erklärt werden, durch »Moralität kann das ursprüngliche Schuldigsein nicht bestimmt werden, weil sie es für sich selbst schon voraussetzt« (ebd., 286). Für Heidegger sind in ihrer Existenz alle Menschen an sich und an allem schuldig, somit kann auch niemand für etwas Konkretes als schuldig erachtet werden, denn »alle Perspektiven der Beschuldigung und Entschuldigung tragen zu kurz« (Heidegger 2015, 44). Heidegger spricht den exakten Jargon der Neuen Rechten, denn man brauche weder demokratische, noch faschistische ›Ideale‹ und insbesondere keine »moralische Bevormundung und die politische Erziehung durch andere« (ebd.). Man müsse sich gegen die Metaphysik richten, die zweifelsfrei durch die alliierten Sieger verkörpert wird, die das Gegenstück des deutschen Wesens darstellen, »welches sich aus dem Seyn selbst bestimmt« (ebd.). Dieses Wesen ist das Abendland (Heidegger 2013, 849f), in dessen Befreiung »werden die Deutschen erst deutsch und erkennen die Mutter von Allem: die unversehrte Erde« (Heidegger 2015, 52).

Nicht nur, dass Heidegger Legitimität völkisch aus einer mythischen, deutschen Bodensouveränität generiert, vielmehr leiten sich hieraus alle Motive ab, die auch Sieferle reproduziert. Heidegger unterstellt den Alliierten die Installation einer »Tötungsmaschinerie« (ebd., 148, Herv. i. O.), die »in den letzten zwölf Jahren mitorganisiert [wurde] und zwar bewußt, um diese Verwüstung in Gang zu bringen« (ebd., 149, Herv. i. O.). Im Phantasma, die Deutschen sollen als »›Strafe‹ für den Nationalsozialismus« (ebd., 148) systematisch ausgerottet werden, tritt nicht nur Heideggers Faszination für den Nationalsozialismus, sondern besonders sein Antisemitismus deutlich hervor.3 Die Alliierten seien nur Exekutoren der »Judenschaft […] die im Zeitraum des christlichen Abendlandes […] das Prinzip der Zerstörung« (ebd., 20) verkörpert. Im Judentum manifestieren sich Geist, Kultur, Wirtschaft und Organisation, die zum »Überbau des ›Lebens‹« (ebd.), zu abzulehnenden metaphysischen Komplexen verkommen sind. Sie vernichten die völkische Verwurzelung der Deutschen bis »das ›Jüdische‹ überall die Herrschaft vollständig an sich gerissen hat« (ebd.), um seine urtümliche Aufgabe, die totale Zerstörung, einschließlich seiner »Selbstvernichtung« (ebd.), zu erfüllen.

Auch bei Henning Eichberg finden sich exakt dieselben Thesen. Wie Heidegger inszeniert auch Eichberg das Judentum als Macht, die den Plan verfolgen, »die räumlichen Unregelmäßigkeiten zu überrollen, letztlich auszurotten« (Eichberg 1987, 179), denn es handele sich bei Deutschland um ein »besetztes Land seit 1945« (Eichberg 1983, 224), dessen »Heide« (ebd., 207), im Sinne von Grasland, durch raumfremde Mächte trockengelegt wurde und den Deutschen so die Lebensgrundlage entzogen würde (Heni 2007, 319).4

Sieferle übernimmt diese antisemitische Phraseologie. Er führt nicht nur in religiöser Metaphorik aus, dass das Judentum die Deutschen zum »säkularisierte[n] Teufel einer aufgeklärten Gegenwart« (Sieferle 2017, 66) gemacht habe. Sie seien vielmehr einem »Antigermanismus« (ebd., 77) ausgesetzt, der sich mit äquivalenter Virulenz zum Antisemitismus global ausgebreitet habe. Mit dem hervorgehobenen ›Mythos Auschwitz‹ spricht Sieferle derart zynisch über die Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungsökonomie als »etwas fürs Guinnes-Buch der Rekorde« (ebd., 78) und weist darauf hin, dass Rekorde dazu da seien, gebrochen zu werden. Er inszeniert das Judentum als die selbstzerstörerischen Herrscher der Welt, die es notwendig zu bekämpfen gilt.

Finis Germania ist ein antisemitisches Pamphlet, das sich in Form und Inhalt nicht vor den Protokollen der Weisen von Zion zu verstecken braucht. Die Formulierung, die »Ultima ratio der Politik […][sei] Krieg« (Sieferle 2017, 40, Herv. i. O.), fügt die hier explizite Anlehnung an Schmitt mit der impliziten Heidegger-Rezeption nahtlos zusammen und zeichnet ein Bild, mit dem sich der offensive und aggressive Antisemitismus und die Nähe zur Möglichmachung der Holocaust-Leugnung im Gewand der Meinungsfreiheit auf die Straße tragen lassen.

Diese Aufgabe übernimmt die IB, die den ›Schuld-Kult‹ unmittelbar in Korrelation mit Flucht und Migration zu erkennen glaubt – und damit an Heideggers, Eichbergs und Sieferles Theorem der systematischen Ausrottung der Deutschen anschließt. Denn Migration

»ist der Ethnozid, […] der totale Selbst- und Identitätsverlust der europäischen Völker. Wir wagen es nicht, uns selbst anders als mit universalistischen Begrifflichkeiten zu definieren. […] Die Geschichte als Identitätsquelle, hat uns der ethnomasochistische Schuldkult verdorben.« (Identitäre Bewegung 2013)

Auch Sellner folgt in seinem Referat zu Finis Germania der These, dass die NS-Verbrechen ein Mythos seien, der jeglichen positiven Bezug auf die deutsche Geschichte verunmöglicht. Um dies wissenschaftlich zu fundieren, rezitiert Sellner die Studien zum autoritären Charakter und ersetzt den Begriff ›Jude‹ durch den »Begriff [des] ›Rechten‹ oder ›Völkischen‹« (ebd., 6:08).

Ohne tiefer auf die Theorie des autoritären Charakters einzugehen, zeigt sich einerseits, dass Sellner völlig ignoriert, dass die Studien explizit auf die Erforschung des Antisemitismus im Kontext allgemein autoritärer Einstellungen zielten (Adorno 1950, 265f) und demnach auf theoretischen Prämissen beruhen, die die seit Jahrhunderten tradierten antisemitischen Stereotypen reflektieren (Horkheimer und Adorno 2011, 181f) und Ideologeme empirisch erfassbar machen, die die Ideologie der IB implizit dominieren. Die Behauptung, diese Prämissen können willkürlich durch andere Begriffe ersetzt werden, zeigen nicht nur einen Mangel an wissenschaftlicher Stringenz, sondern dient der Opferinszenierung der Täter*innen, die als eigentliche Juden der Geschichte dargestellt werden. Dass die Annahmen des autoritären Charakters, wenn auch nicht methodisch einwandfrei, noch immer Relevanz für die Erforschung reaktionärer Einstellungen innehat, zeigen besonders jüngste sozialpsychologische Studien (Decker et al. 2016, Decker und Brähler 2016a).

Des Weiteren zeigt sich, dass der autoritäre Charakter als theoretische Grundlage zur Analyse der Neuen Rechten gewinnbringend ist. Auf die krisenhafte Gesellschaftskonstellation, »an die sich das Individuum anpasst, indem es eine sadomasochistische Charakterstruktur entwickelt« (Fromm 1936, 118), reagiert die IB kollektiv mit Hass auf die Schwächeren. Der Masochismus, Lustgewinn am eigenen Leid, der mittels »ehrfürchtige[r] Unterwerfung unter das historisch schicksalhaft Gegebene« (ebd., 120) befriedigt, und der auf die Schwachen gerichtete Sadismus lassen sich weder in ihrer Genese, noch in einer ihrer Manifestationen getrennt analysieren (Laplanche und Pontalis 2008, 448). Die Vergottung der Vergangenheit (ebd., 119) und die »Lust […] am Gehorsam« (ebd., 117) einer metaphysischen Macht treten als »unabänderliches Schicksal« (ebd., 118) in Gestalt von Geschichte, Natur und Ethnie auf, die konstitutiv für völkisches, antisemitisches Gedankengut ist (Horkheimer und Adorno 1952, 366). Die Unmöglichkeit der Reflexion gesellschaftlicher Verhältnisse macht den Sadomasochismus zur psychologischen Triebfeder der IB. Die Anklage an vermeintliche Ethnomasochist*innen ist daher sowohl empirisch wie theoretisch kontrafaktische Scheinwahrheit. Nicht nur, dass empirische Studien das Gegenteil eines nicht vorhandenen Nationalstolzes belegen (Decker und Brähler 2016b), die IB verkörpert, weit mehr als die von ihr des Ethnomasochismus Bezichtigten, den sadomasochistischen Charakter, denn ihr kanalisierter Hass richtet sich als Sadismus gegen den Schmitt’schen wirklichen Feind der Gegenwart – Migrant*innen, Geflüchtete, ethnisch Unerwünschtes.

Diese Projektion erfolgt allerdings nur auf Grundlage dessen, dass die absoluten Feinde, die Juden und die antisemitisch stilisierten USA, gegenwärtig nicht greifbar sind. Diejenigen, auf die sich in den letzten Jahren die rassistischen Gewaltexzesse fokussiert haben (Reinfrank und Brausam 2016), werde zu diesem Zweck als die »letztlich Getäuschte[n] und Geprällte[n]« (Sellner 2017c, 8:23) inszeniert, die lediglich Opfer der Gewalt werden, um symbolträchtig auf die Machenschaften fremder Interessen sowie deren »Projekt der Ersetzung, der Verdrängung und der masochistischen Bestrafung« (ebd., 8:04) zu rebellieren.

In Umdeutung der psychologischen Kategorien des autoritären Charakters findet sich das Merkmal der transatlantischen Verschwörung gegen die Deutschen, die durch die Negatividentität der Shoah zur Leugnung ihrer genuinen Identität gezwungen wurden (Sellner 2017c, 5:35). Die »Schuldkult-Ideologie« (ebd., 7:30) ist die Letztbegründung aller Motive der IB. Der Schuldkult ist die Zerschlagung des Pluriversums der Völker nach 1945, die Basis auf der der Ethnopluralismus als politisches Projekt der Neuen Rechten wieder an Relevanz gewinnt, gleichzeitig auch Ankerpunkt für den identitären Antiamerikanismus in Form einer antisemitischen Verschwörungstheorie.

Damit bedient Sellner ebenso wie Sieferle den globalen ›Antigermanismus‹, der sämtliche Erinnerungskultur an die NS-Vernichtungsideologie als Teil einer neuen fundamentalistischen Zivilreligion inszeniert. Es fallen immer wieder Begriffe wie ›Schwarze Messe‹ und ›Inquisition‹ transatlantischer ›Höllenprediger‹ (Sellner 2017b). Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit ist für die IB eine abstrakte Chiffre unbegründeter ›Ketzerei‹. Sie zeugt von einer Unterordnung der deutschen Identität unter das Diktat transatlantischer Schuldpredigten. Zwar sollten sich die Deutschen der NS-Verbrechen in einem stillen Gedenken gewahr werden, jede öffentliche Anteilnahme und Erinnerung sei aber keine Überwindung des Holocausts, sondern »letztlich seine Fortführung« (Sellner 2017b, 18:10), der systematische, durch den »totalitär gewordenen Liberalismus« (ebd., 17:57) organisierte Ethnozid.

…die Maske entreißen – theoretische Kritik und politische Herausforderung

Die doppelte Selektivität ist das identitäre Mittel der Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse. Diese Kritik ist aber weder Kritik an Lohnarbeit und Kapital, an Ausbeutung und Prekariat, noch Kritik, die die gesellschaftlichen Strukturen zu verändern anstrebt. Sie ist in erster Linie eine Kritik an Einwanderung, die in der identitären Logik durch die Machenschaften amerikanischer und jüdischer Interessen organisiert wird. Die seit 1945 durch diese ›transatlantische Verschwörung‹ bewirkte Zerstörung europäischer Identitäten, ist das Movens der Ideologie des Ethnopluralismus, aus dem sich die politische Agenda der IB rekonstruieren lässt. Dieser zentrale Pfeiler ihrer ideologischen Architektur zielt auf die »Sichtbarwerdung seiner inneren Wahrheit« (Schmitt 1934b, 12). Der Ethnopluralismus ist die ultima ratio jedes einzelnen Elements der neurechten Agenda. Allerdings ist er nicht, wie suggeriert wird, ein progressives Projekt, das Ausgrenzung jeglicher Art verneint, sondern ein auf Exklusivität beruhendes Konzept, das keine Zugehörigkeit abseits der Ethnizität duldet. Dieses Programm fasste Martin Sellner auf der Compact-Konferenz 2017 treffend zusammen:

»Und wir gehen immer einen Schritt weiter. Wenn Einwanderungsstop Mainstream wird, fordern wir die Remigration. Wenn gegen den radikalen Islam aufgestanden wird, fordern wir eine Politik der Deislamisierung und wenn Patriotismus Mainstream wird, fordern wir eine Leitkultur.« (Sellner 2017d, 14:20)

Die IB wirkt hier als ewiger Antagonismus des politischen Establishments, wobei die europäische Leitkultur nicht der letzte Schritt sein kann. Denn eine

»Welt, in der die Möglichkeit eines solchen Kampfes restlos beseitigt und verschwunden ist, ein endgültig pazifizierter Erdball, wäre eine Welt ohne die Unterscheidung von Freund und Feind und infolgedessen eine Welt ohne Politik« (Schmitt 2002, 35).

Damit ist zwingend notwendig, Feindschaften aufrechtzuerhalten. Ist erst mit den hiesigen politischen Eliten abgerechnet, der oktroyierte ›Schuldkult‹ und die Fesseln der nationalsozialistischen Vergangenheit durchbrochen, die Migration erfolgreich bekämpft sowie durch Remigration ein ethnisch homogenes Kollektiv geschaffen, muss sich die Feindschaft gegen den absoluten Feind richten, gegen die Organisation der Zerstörung – die USA, Israel und das Judentum.

Die vehemente Berufung auf die europäische, ethnokulturelle Identität und dem Ethnopluralismus als deren Katechon, entlarvt die wahre Identität der IB. Sie ist weder demokratisch, noch ist ihr die Unvereinbarkeit von Antisemitismus und anderen Ideologemen der extremen Rechten inhärent. Vielmehr verkörpert die IB eine Bewegung, die sich jugendkulturell attraktiv zu machen und ihre extrem rechte Ideologie gekonnt hinter demokratie- und verfassungstreuer Rhetorik zu verbergen weiß.

Da Schmitt in erster Linie als rechts- und politiktheoretischer Denker Einfluss auf die theoretische Entwicklung der IB nimmt, ist insbesondere die Rezeption Heideggers Konvergenzpunkt der Kritik. Der implizite Zusammenhang von Schmitt und Heidegger, der sich in Finis Germania finden lässt, macht deutlich, dass Heideggers radikaler Bruch mit der kontinentalen Philosophie und die völkischen Motive, die Sein und Zeit, seine Vorlesungen und Seminare der 1930er Jahre und die Schwarzen Hefte gleichermaßen durchziehen, zur Logik eines neurechten Aktivismus beitragen. Das von Schmitt gelegte und durch Benoist und Eichberg erweiterte Fundament des Ethnopluralismus verbinden sich mit Heideggers Forderung nach »eigenstem Selbstsein« (Heidegger 1967, 267) zu einer völkischen Philosophie, die durch »den leiblichen blutmäßigen Zusammenschluss der Volksglieder« (Heidegger 1998, 65) ein explizit politisches Programm verfolgt. Dieses Programm lässt sich mittels einer Analyse neurechter Diskursstrategien nur an der Oberfläche problematisieren und kritisieren, da sich die Argumentation der IB durch umfangreiches implizites Wissen über ihre philosophische Tradition konstituiert. Dieses Wissen im Detail zu explizieren und als antisemitisch und reaktionär zu entschlüsseln, muss der erste Schritt zum Verständnis der politischen Praxis der IB sein.

Wie soll nun mit der politischen Herausforderung des Umgangs mit der IB verfahren werden? Weder ist es aus der Perspektive der etablierten Parteien konstruktiv, durch die Übernahme neurechter Ideologeme in das eigene politische Programm dem Wähler*innenschwund zu begegnen, noch scheint der außerparlamentarische Protest fruchtbar zu sein, handelt es sich bei der IB nicht um martialisch und offensichtlich rassistisch argumentierende, agierende und explizit mit der Ideologie des Nationalsozialismus sympathisierende Akteur*innen. ›Antifaschistische Angriffe auf Privatsphäre, Leib und Leben‹ spielen der IB insofern in die Hände, als dass sie die »sympathischen netten Jungen von nebenan« (Eckes 2016: 110) mimen, die mit der politischen Meinung der Mehrheitsgesellschaft gegenwärtig wohl mehr Übereinstimmung besitzen, als es inklusive und progressive Gesellschaftsentwürfe für sich in Anspruch nehmen können.

Der Umgang mit neurechten Bewegungen stellt damit eine politische Herausforderung dar, an der die bisherigen Mittel des politischen Kampfes zu versagen scheinen und eher die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz der Neuen Rechten erhöhen. Auch wenn hier kein finales Urteil gefällt werden kann, ist zunächst eine philosophische und politiktheoretische Auseinandersetzung mit den Theoremen der IB notwendig, die den Kern der selektiven Wahrheitsansprüche dechiffriert, analysiert sowie immanent kritisiert und sich nicht in resignativen Parolen verliert.

Festzuhalten ist, dass es sich bei der IB um eine Bewegung handelt, die »jugendkulturell anschlussfähig eine Plattform und neue Strategie […] [bereitstellt], die auf neonazistisch unbelastete soziokulturelle Codes rekurrieren kann und geeignet ist, besonders in jungen Menschen ethnisierende Vorstellungen einer kollektiven Zugehörigkeit zu wecken« (Kökgiran und Nottbohm 2014, 331). Dieser Bewertung ist zweifelsfrei im Resultat zuzustimmen, allerdings erschöpft sich die Konkretisierung der Kritik nicht in der Offenlegung diskursiver Strategien der Neuen Rechten, es geht nicht nur um ihren »symbolisch-ideologischen Einfluss« (ebd., 348) durch ihre politische Agitation, sondern um eine tief in ihre philosophische Tradition eingeschlossene Problematik.

Wie gezeigt wurde, vermag eine Analyse der philosophischen Tradition der IB die Maske zu entreißen, ihre Scharade zu entlarven und zu enträtseln, worum es sich bei der jungen, politisch dezentral organisierten und popkulturell attraktiven Bewegung wirklich handelt: Um eine in concreto extrem rechte Vereinigung, die jeglichen Universalismus konsequent ablehnt und maßgeblich auf antisemitische Motive zurückgreift.

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1Es existieren durchaus weitere antisemitisch konnotiert Motive, wie der Hang zu postmodernen Tribalismus und vermeintlich natürlichen Männlichkeitsidealen (Antonio 2000), folgend soll aber nur auf die zwei offensichtlichsten Aspekte rekurriert werden.

2Es sei darauf hingewiesen, dass die Schuldtypologie im Allgemeinen und die metaphysische Schuld im Besonderen von massiven Problemen im moralischen und juristischen Umgang mit den Verbrechen des Nationalsozialismus gekennzeichnet sind (Elbe 2017, 121f).

3Dabei ist Heideggers Antisemitismus kein Phänomen, dass erst mit der Veröffentlichung der Schwarzen Hefte ab März 2014 virulent wurde, vielmehr sind schon seine Reden, Seminare und Vorlesungen während des NS von antisemitischen Motive durchzogen (Farías 2003; Faye 2009; Zaborowski 2010).

4Diese »Naturalisierung der Geschichte« (Heni 2007, 313) findet sich auch bei Benoist, der Heide zwar im Sinne religiösen Heidentums versteht, aber die gleichen Motive biologischer Verwurzelung des Menschen als Quelle von Identität meint (Benoist 1982, 304). Auch wenn Michael Böhm behauptet, es handele sich durch die Verwendung des Begriffs Kultur anstelle von Rasse nicht um »rassebiologische Tendenzen« (Böhm 2008, 237), bleibt die implizite Bedeutung bestehen, dass in neurechtem Sprachgebrauch beide Begriffe biologistisch präformiert sind.