Exzellenz und hegemoniale Strategie. Zur Doppelmoral und Schwäche liberaler Wissenschaftspolitik

Abstract

Nowadays, economics and politics are increasingly based on knowledge. As a consequence, universities in Germany as major sites of producing knowledge are more and more subjected to considerations of economic and scientific policies. Applying the perspective of hegemonic theory, it becomes clear that the German ‘Initiative for Excellence in Science’ is part of a broader strategy, which aims at assimilating production centres of knowledge to a post-industrial logic of knowledge-based value added. A closer look at the mechanisms of funding scientific projects according to scientific excellence and other related programs (such as adopting the Bologna system of degrees) reveals how the increasing influence of political actors subverts the logics of research and science.

 

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Wissen erlangt in heutigen ökonomischen und politischen Prozessen, ob in der Produktion oder der Politikberatung, immer größere Bedeutung. Universitäten als zentrale Orte der Erkenntnis und Wissensproduktion sind damit von besonderem Interesse einer Wissenschafts- und Wirtschaftspolitik, die im Bewusstsein dieser Bedeutung agiert.

Seit den neunziger Jahren lässt sich neben einer schwelenden Diskussion um die Zukunft des deutschen und europäischen Hochschulsystems mit der sogenannten Bologna-Reform als Auftakt eine tatsächliche massive Umgestaltung beobachten, die sich als ein strategisches hegemoniales Projekt begreifen lässt. Der vorerst letzte Akt dieser Einladung zur Enthauptung waren die EI (Exzellenzinitiativen) I und II. Viele Proteste haben sich an den manifesten Auswirkungen dieses Wandels entfacht – der Bildungsstreik, gewerkschaftliche Initiativen wie das Templiner Manifest der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft oder polemische, essayistische bis systematische Publikationen. Reinhard Brandt etwa sieht die Förderung von Exzellenz-Zentren als Prozess der »Machtkonzentration gegen die egalitäre Verteilung« (Brandt 2011, 154). In seinem Essay zeigt Brandt den tiefgreifenden Charakter des Wandels auf, indem er die Aufgabe der Freiheit der Forschung und Lehre als einem historisch gewachsenen Prinzip europäischer Universitätskonzeption aufzeigt. Andere Autoren sprechen von der »Prekarisierung der Wissenschaft« (Bultmann 2008), »akademischem Kapitalismus« (Münch, 2011) oder allgemeiner von einer »Neoliberalisierung« der Bildung (etwa Sambale et. al., 2008). Olaf Jann zeigt in seinem Aufsatz »Bildungsrepublik – Á fonds perdu« die Bereitwilligkeit auf, mit der an deutschen Universitäten die »ideologischen Heilslehren« (Jann 2010, 164) einer an betriebswirtschaftlichen Prämissen orientierten unternehmerischen Hochschule unreflektiert weiterverbreitet werden. Damit weist Jann auf den wichtigen Aspekt hegemonialer Praxis hin, möglichst vielen Subjektpositionen Leerstellen im Projekt zuzuweisen und somit die Reichweite hegemonialer Diskurse zu erweitern. Neben diesen pointierten Kritiken ist es vor allem die systematische empirische Analyse der Drittmittelregime von Richard Münch, die eine fundierte Diskussion möglich macht. Eine theoretisch verortete Analyse allerdings lässt sich allenfalls in Ansätzen finden, etwa auf einer globalen, eher ökonomischen Ebene mit Mario Candeias »Grundrisse(n) einer transnationalen kapitalistischen Produktions- und Lebensweise«. Eine konkret hegemonie-theoretisch orientierte Analyse des Bildungssystems findet sich jedoch nicht in der aktuellen Debatte. Diese Leerstelle zu füllen, möchte diese Untersuchung einen kleinen Beitrag leisten. Es soll also der Versuch unternommen werden, Akteure im Feld der Wissenschaft unter dem Aspekt eines gemeinsamen strategischen Projekts zu untersuchen und zu prüfen, ob dieses als hegemoniales Projekt verstanden werden kann. Ebenso sollen Aufschlüsse über Inhalte, Implikationen der Wissenschaftskonzepte und ein grundlegendes Verständnis der Funktionsweise aktueller hegemonialer totalitärer Bildungspolitiken gewonnen werden. Der Vorteil des hegemonietheoretischen Zugangs liegt in der Möglichkeit, Kernelemente einer Strategie zu identifizieren: die Bedeutung bestimmter Akteure im hegemonialen Projekt, deren Beziehung untereinander sowie wichtige Signifikanten für die Hegemonie. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse ist es möglich, alternative hegemoniale Projekte zu denken. Am Beispiel der Exzellenzinitiative (EI) der Bundesregierung wird deutlich werden, dass die Reform des (universitären) Bildungssystems in Deutschland als ein hegemonial-strategisches Projekt verstanden werden kann. Eine zentrale These des Konzepts des Kognitiven Kapitalismus von Yann Moulier-Boutang ist, dass in Gesellschaften, die sich im übergang zur postindustriellen ära befinden, staatliche wie ökonomische Akteure versuchen, Kontrolle über Produktionsstätten von Wissen zu erlangen. Die Ergebnisse der hegemonie-theoretischen Untersuchung der EI sollen dabei im Lichte dieses Konzepts dahingehend betrachtet werden, ob es bei der Strategie staatlicher und ökonomischer Akteure darum geht, Bildungsstätten in Deutschland einer größeren, gleichzeitig aber subtilen Kontrolle zu unterwerfen.

Eine Idee der Universität?

»Gerade weil die – deutsche – Universität gegenwärtig von ihrer materiellen Basis her in Frage gestellt wird, müssen wir von ihrer Idee sprechen.« (Krippendorf 1996, 431) so das Plädoyer Ekkehart Krippendorfs Mitte der Neunzigerjahre. Es verdeutlicht, dass was heute als Reform der Universität im Rahmen der Bologna-Beschlüsse von 1998 bezeichnet wird, als Ausdruck einer schon Jahrzehnte andauernden »Krise der Universität« verstanden werden kann, die zu einer grundlegenden Umgestaltung wissenschaftlicher Praxis geführt hat. Art und Umfang dieser Umgestaltung werden vor dem Hintergrund der Geschichte der Universitäten und ihrer Wissenschaftsverständnisse,1 die in einigen Aspekten von Kontinuität, in anderen von Wandel geprägt ist, deutlicher sichtbar.

Die Universität als Institution in der Gesellschaft hat, vor allem in Europa, eine lange Tradition und Geschichte, wie etwa die Beispiele der Universitäten in Heidelberg, Wien oder Bologna zeigen, die spätestens im 14. Jahrhundert gegründet wurden und heute noch bestehen. Die zu dieser Zeit und darauf folgend die Fragen sozialer Ordnung beherrschende Auseinandersetzung zwischen weltlichen und religiösen Akteuren verband sich in der Frage des Status der Universität mit einer, zugegebener Weise beschränkten, Autonomie (vgl. Krippendorf 1996, 431f). Wenn hier also von Autonomie der Hochschule die Rede ist, so bewegt sich diese selbstverständlich im historischen Kontext – die frühe Universität etwa im Rahmen und auf der Grundlage der katholischen Theologie, die heutige, grundgesetzlich geschützte Freiheit der Lehre im Rahmen der Freiheitlich Demokratischen Grundordnung. Bis etwa 1800 war dabei die Trennung von Forschung und Lehre ein gängiges Modell (vgl. Brandt 2011, 73). Erst ab 1810, mit der Gründung der Berliner Universität findet das Modell der Vereinigung von Forschung und Lehre, auf das in vielen Aspekten auch das heutige europäische Organisationsmodell von Hochschulen zurückgeht und mit dessen Entstehung der Name Wilhelm von Humboldts eng verbunden ist, weitere Verbreitung und stellt noch heute in vielen Diskursen den Bezugspunkt dar. Damit einhergehend fand über einen längeren Zeitraum die allmähliche Ablösung der mittelalterlichen Vier-Fakultäten-Universität durch die Zweiteilung von Natur- und Geisteswissenschaften statt. Dies war auch verbunden mit der zunehmend verbreiteten Perspektive auf die Universität als einer interdisziplinären, »organischen Struktur« (ebd. 74) in Abgrenzung zu dem Entwurf einer spezialisierten, auf den Beruf vorbereitenden Universität (vgl. ebd. 74).

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Universität als gesellschaftliche Institution eine diskursiven Konstruktion und damit einem beständigen Wandel unterworfen ist. Gleichzeitig gehen auch vorübergehende Fixierungen aus der artikulatorischen Praxis hervor, die aber, aufgrund der engen Verknüpfung der Institution mit politischen und wirtschaftlichen Einflussfaktoren, in engeren Zeiträumen ihren totalitären Charakter verlieren können und damit in Verbindung mit symbolischen Ereignissen, wie der Gründung der Berliner Universität, zu »Brüchen« in der Entwicklung der Universität führen. Zwei Konstanten allerdings, die sich seit Jahrhunderten in der Geschichte der Universität zu zeigen scheinen, sind die Autonomie der Hochschule im Sinne einer Selbstverwaltung – unabhängig von Herrschafts- oder Erkenntnisvorgaben – sowie die Einheit von Lehre und Forschung. Beide Merkmale sind heute im Grundgesetz festgeschrieben und werden auch auf europäischer Ebene durch Rektoren- oder Ministerkonferenzen des Öfteren betont (siehe etwa die Magna Carta der Universitäten von 1988 oder die Gemeinsame Erklärung der europäischen Bildungsminister von 1998). Dass sich dieser Anspruch nur selten einer praktischen Annäherung ausgesetzt sah, sollte, angesichts der vielfachen Kollaborationen der Universitäten und Wissenschaften unter anderem im Regime der Nationalsozialisten, klar sein. Dennoch boten Universitäten auch Freiräume, in denen über die Grenzen gesellschaftlicher Herrschaftsstrukturen hinaus gedacht werden konnte. Wenn auch nicht immer ohne repressive Folgen, wie das Beispiel der Göttinger Sieben zeigt. Ebenso versteht sich von selbst, dass Universitäten aufgrund ihrer finanziellen Abhängigkeit vom Staat nicht ohne diesen und das damit verbundene Abhängigkeitsverhältnis analysiert werden können. Dennoch stellt sich in Bezug auf die Beurteilung des Grades realer Autonomie der Hochschulen die Frage, in welchem Umfang externe Akteure Einfluss auf die Freiräume von Lehr- und Forschungsprogrammatiken erzwingen können – durch direkt oder indirekt wirkende Zwänge.

Wenn diese Freiräume also trotz gegenteiliger Bekenntnisse und unter Beteiligung universitärer »Selbstverwaltungsgremien« wie der HRK systematisch und strukturell verunmöglicht werden, scheint es angebracht, die Frage nach dem Ende eines solchen (Selbst-)Verständnisses zu stellen. Eine andere, interessantere ist die, wie die EI als hegemoniale Strategie in diesem Kontext gesehen werden kann.

Die Exzellenzinitiative

»Wenn der Elitewettbewerb wie geplant 2017 endet, wird das deutsche Hochschulsystem anders aussehen. Der Wandel hat schon begonnen«, so Max Haerder in der WirtschaftsWoche (Haerder 2011, 1). Wie lässt sich dieser Wandel fassen? Wirft man einen Blick auf die Finanzierung von Forschung, wird klar: Forschung ist kein Alleinstellungsmerkmal der Universitäten. Trotzdem gehört dieser Bereich wissenschaftlichen Arbeitens (historisch) zu ihren Kernaufgaben. Organisationen wie die Max-Planck-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibnitz-Gemeinschaft oder das Fraunhofer-Institut auf der anderen Seite stehen für die Entwicklung technologischen Fortschritts und Forschungspraxis auf international beachtetem Niveau außerhalb der universitären Lehr- und Forschungsanstalten. Ebenso wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) erhalten diese eine, durch den Pakt für Forschung und Innovation gesicherte, jährliche Mittelaufstockung von mindestens 5%. Die jüngere Geschichte der Universitätsfinanzierung spricht hier eine andere Sprache. Nach der relativ umfassenden finanziellen Ausstattung der Universitätsetats bis in die achtziger Jahren fand anschließend eine Kürzung statt, die sich in zunehmender Weise auf die Handlungsfähigkeit der Hochschulen und damit die Qualität der Lehre und Forschung auswirkte. Dieser Trend setzt sich bis heute fort und die Hochschulen sind in Bezug auf den Grundetat einem ständig wachsenden finanziellen Druck ausgesetzt. In den Jahren 2001 bis 2011 steig die Zahl der Erstsemester um 50%, die der eingeschriebenen Studierenden sogar um 27%. Die Zahl der Professorinnen erhöhte sich lediglich um 14%. Großer Zuwachs lässt sich in dem Bereich der prekären Beschäftigung, wie etwa wissenschaftlichem Assistenzpersonal und nebenberuflich beschäftigten Lehrbeauftragten beobachten (Statistisches Bundesamt 2012). Eine Reaktion auf diese Diskrepanz zwischen wachsenden Leistungsanforderungen an den universitären Lehrbetrieb und gleichzeitiger realer Verknappung der verfügbaren Ressourcen war unter anderem die sogenannte Bologna-Reform. Eine verwaltungstechnische Standardisierung im Lehr- und Prüfungsbetrieb versprach oberflächlich betrachtet eine kostengünstigere »Bearbeitung« der Studierendenzahlen. Sie zog allerdings auch eine zunehmende Bürokratisierung der Hochschulen nach sich, die sich etwa in der Modularisierung der Studiengänge und den regelmäßigen Prüfungen am Ende eines jeden Semesters sowie in den zunehmenden Kompetenzen der Verwaltungsinstanzen an der Hochschule, etwa bei der Konzeption von Studienordnungen und Studienverlaufsplanungen zeigt. Auf diese Reform der Studienstruktur kann an dieser Stelle sinnvoller Weise nicht ausführlich eingegangen werden. Trotzdem soll dieser kurze Anriss der Thematik den Rahmen verdeutlichen, in dem die EI ihre Wirkung entfaltet.2 Neben der bereits Eingangs erwähnten außeruniversitären Forschungsförderung im Rahmen des Paktes für Forschung und Innovation entwickelte die Bundesregierung im Jahr 2005 in Zusammenarbeit mit den Ländern die EI als Konzept zur Förderung universitärer Forschung. Ziel der Exzellenzvereinbarung ist es, »den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und Spitzen im Universitäts- und Wissenschaftsbereich sichtbarer zu machen« (ExV 2005: 1). Damit soll eine »Leistungsspirale« (ebd.) in Gang gesetzt werden, die sowohl zur Ausbildung von Standorten der »Spitzenforschung« (ebd.) als auch einer qualitativen Verbesserung des »Hochschul- und Wissenschaftsstandortes Deutschland in der Breite« (ExV 2005: 1) führt. Für diesen Zweck stellen Bund und jeweilige Länder in einem Finanzierungsverhältnis von 75/25 über den Zeitraum von 2006 bis 2011 eine Fördersumme von 1.9 Mio. Euro zur Verfügung, die in einem projektbezogenen, kompetitiven Verfahren für Standorte, Exzellenzcluster oder Spitzenforschung vergeben werden. In einer zweiten Vereinbarung wurde die Fortführung der Initiative von 2011 bis 2017 mit Fördermitteln in Höhe von gut 2.7 Mio. Euro beschlossen (vgl. ExV II 2009: 2).

Die Bewerbung um die Fördergelder erfolgt durch die Universitäten bei der DFG. Dort findet die Auswahl der Anträge in einem zweistufigen Verfahren statt. Zunächst werden von den Universitäten, vertreten durch ihre Leitung, Antragsskizzen der Gemeinsamen Kommission aus DFG und WR vorgelegt. Diese setzt sich zusammen aus der Fachkommission der DFG mit 14 Mitgliedern sowie der Strategiekommission des WR mit 12 Mitgliedern. Die Hälfte der Mitglieder soll dabei langjährige Erfahrung in Wissenschaft oder Wirtschaft aufweisen. Diese Gemeinsame Kommission trifft eine Vorauswahl, welche Skizzen in Form eines Vollantrags vorgelegt werden sollen. Diese Auswahl wird in einem zweiten Schritt dem Bewilligungsausschuss vorgelegt, der sich zusammensetzt aus den Mitgliedern der Gemeinsamen Kommission sowie den für Wissenschaft zuständigen Minister_innen der Länder und der/dem Bundesminister_in.3

Die Mittel der EI zählen zu den Drittmitteln, wie sie etwa auch durch die DFG zur Verfügung gestellt werden. Während die DFG allerdings im Jahre 2010 alleine für die Forschung etwa 2 Mrd. € aufwendete, sind es bei der EI im gesamten Zeitverlauf 2006-2017 4,6 Mrd. € (vgl. zur Übersicht über die Bund-Länder-Programme: Gaethgens 2012, 21; und zur Übersicht über Hochschulfinanzierung die Publikationen des Stifterverbands). Somit hat die EI rein nominell nur einen eher geringen Anteil an der Drittmittelförderung universitärer Forschung und kann nicht die Defizite der Unterfinanzierung lösen. So entspricht das Fördervolumen des Exzellenzclusters der Uni Bonn, das in der dritten Runde der EI vergeben wurde, mit 28 Mio. € auf das Jahr heruntergerechnet nur etwas über einem Prozent des Jahresetats der Universität Bonn. Dafür sind die Mittel frei verwendbar für Forschungsprojekte, werden nicht von den laufenden Betriebskosten der Institute verschlungen und können so erhebliche Forschungsspielräume schaffen. Es stellt sich trotzdem die Frage, welche Bedeutung den Exzellenzgeldern im Kontext der Abkehr von dem Prinzip der Ausfinanzierung, wie es etwa in den achtziger Jahren etablierter war, zugunsten eines leistungsbezogenen Konzepts zukommt, in dessen Rahmen in einem kompetitiven Verfahren über die Verteilung von zusätzlichen Mitteln für die Forschung, sowie im zweiten Teil der EI auch für die Lehre, von wenigen universitätsexternen Akteuren entschieden wird.

Strategie und Hegemonie

Ziel der EI ist es, sogenannte Spitzenforschung und Standorte (international) »sichtbar« zu machen. Damit spielt für den Erfolg dieses Konzepts vor allem die diskursive Verbreitung der Ergebnisse eine Rolle. Die Hegemonietheorie von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe bietet als diskursorientierter Forschungsansatz die Voraussetzungen, um die politischen Implikationen und Reichweiten der EI sowie die Grundrisse einer hegemonialen Strategie herauszuarbeiten.

Die Autoren entwickeln ihre Theorie in einem Verständnis, dass Praxis und Theorie, Subjektivität und Objektivität nur analytische Unterscheidungskategorien darstellen, nicht aber dazu dienen können, eine vermeintlich neutrale Position als Wissenschaftler einzunehmen. Dies wird deutlich, wenn sie ihren Hegemoniebegriff als »nützliches Instrument im Kampf um eine radikale, libertäre und plurale Demokratie« sehen (Laclau/Mouffe 2006, 34f). Als eine Theorie der neuen sozialen Bewegungen bietet sie somit Anknüpfungspunkte, aus diesem Bewegungsverständnis heraus einer Überkomplexisierung und damit Immunisierung diskursiver Machtverhältnisse gegen Veränderung entgegen zu wirken und Alternativen zu denken und umzusetzen. Im Falle der Exzellenzinitiative geht es dabei um die Frage, welche Universitäts- und Wissenschaftsverständnisse in politischen Entscheidungen wirksam werden. Damit geht es aber auch darum, welche gesellschaftlichen Kräfte als hegemoniale Formationen diskurssetzend wirken. Die Linke als wichtigste Massenbewegung des industriellen Zeitalters spielt gerade im bildungspolitischen Kontext mit ihrer Programmatik der Arbeiterbildung eine große Rolle und soll u. a. deshalb auch hier Erwähnung finden. Vor allem aber stellt sie einen fundamentalen Gegenpart zu den Befürwortern der EI dar und ist somit eine wichtige Kraft in der Auseinandersetzung um »die gute Wissenschaft«. Sie ist vor allem gefragt, wenn es darum geht, ein alternatives Wissenschaftskonzept zu entwickeln. Vor dem Hintergrund dieser gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse entwickelt sich ein diskursives Verständnis sozialer Ordnungen und Strategien, die die potentiell enorme Tragweite der Auswirkungen der EI verdeutlichen. Um jedoch dem schon in den letzten Zeilen aufkommenden Eindruck der manichäischen Aufteilung der Gesellschaft entgegenzuwirken, sollte an dieser Stelle auf einen zentralen Fehler der klassischen oder orthodox-marxistischen Linken eingegangen werden: Es ist das dichotomische Denken von Antagonismen als Klassengegensätzen zwischen zwei Gruppen, Bourgeoisie und Proletariat. Laclau und Mouffe sehen die Grundlage dieses Fehlers bei Marx, der den vormaligen Gegensatz zwischen ancien régime und Volk nach 1789 durch das Aufkommen einer neuen Gesellschaftstotalität in den Begriffen der zwei Klassen zu fassen versuchte (Laclau/Mouffe 2006, 191). Zur Überwindung der theoretischen und damit praktischen Schwäche der Linken folgt aus diesen Überlegungen: »(…) es (ist, MA) dieses Moment der Kontinuität zwischen jakobinischem und marxistischem politischen Imaginären (…), das durch das Projekt für eine radikale Demokratie in Frage gestellt werden muss« (ebd, 192). Demirovic hingegen verweist auf die konzeptuelle Vorwegnahme antagonistischer Logik-Überlegungen bei Marx, wenn dieser etwa beschreibt, dass eine Klasse andere Klassen repräsentiert und in einem symbolischen Vorgang Forderungen mit allgemeinem Anspruch erhebt (Demirovic 2007b, 79). Insofern ist, wie so oft, die Kritik an der übermäßigen Vereinfachung in Marxens Überlegungen eher auf der Seite der Perzeption durch selbsternannte Marxisten zu suchen. Demirovic zeigt des Weiteren einige Paradoxien auf, die bei näherer Betrachtung die Hegemonietheorie kennzeichnen, die sich »wie durch einen Diskursautomatismus aufgerufen« (ebd. 78) ergäben. Er nähert sich der Kritik dabei über einen Gesellschaftsbegriff, dessen Entwicklung er bei Laclau und Mouffe bemängelt, da diese die Konstitution von Gesellschaft durch Ausschluss setzen, während Marx genau diese Konstruktion von Gesellschaft zum Gegenstand der Kritik mache (ebd. 79).4 Unbelassen dieser Paradoxien scheint jedoch die Stärke des Ansatzes darin zu liegen, dass er die Logik von sozialen Bewegungen fassbar macht, indem die Pluralität von Identitäten und deren Entstehung durch Zuweisung von Subjektpositionen im diskursiven Feld sichtbar gemacht werden kann und die Fokussierung auf eine aus sich selbst heraus notwendige Klassendichotomie aufgebrochen wird.

Einen besonders beachtenswerten Beitrag zur Diskussion über die methodische Verwendbarkeit der Hegemonietheorie hat Martin Nonhoff geleistet. Seine Erweiterung der drei Grundlogiken –Äquivalenz, Antagonismus/Differenz und Repräsentation/Signifikation – um sechs weitere Strategeme ermöglicht eine differenziertere Analyse der Subjektpositionen in Diskursen und die Reichweite und damit auch Stabilität einer Diskursformation. Mit Hilfe der superdifferenziellen Grenzziehung etwa wird es möglich, die klare Abgrenzung des Diskurses zu benennen und das konstitutive Außen, bzw. die ausgeschlossenen Positionen zu bestimmen. Aussagen zur Entstehung von Hegemonien machen die Autoren Laclau und Mouffe in ihrer Theorie explizit nicht. Sie sind nicht Ziel ihrer Überlegungen. Nonhoff stellt mit dem Strategem der emergenten Interpretationsoffenheit des symbolischen Äquivalents des Allgemeinen ein Instrument zur Verfügung, mit dem erste Aussagen zur Stabilität von Diskursformationen getroffen werden können. Dies kann auf die Formel gebracht werden: je unspezifischer die repräsentierende Forderung ist und trotzdem die Äquivalenzierung leisten kann, desto stabiler ist die Formation (vgl. insgesamt zu den Strategemen: Nonhoff 2006: 207-240).

Wie an späterer Stelle deutlich werden wird, sind gerade diese Strategeme hilfreich, ein differenzierteres Verständnis innerer Funktionsmechanismen eines hegemonialen Projekts zu entwickeln.

Das hegemoniale Projekt

Der Begriff der Exzellenz ist an sich in seiner Bedeutung und Aussagekraft diffus und eignet sich daher als leerer Signifikant. Im Zusammenhang von Hegemonie und Strategie wurde bereits auf die Bedeutung von weiteren leeren Signifikanten in der Gruppierung um eine Formation-Formierung im diskursiven Feld hingewiesen. Demnach ist ein leerer Signifikant nur dann stabil, wenn er eingebettet wird in ein diskursives Netz weiterer zugeordneter leerer Signifikanten. In diesem Kontext ist der leere Signifikant der »Exzellenz« zum einen Verbunden mit dem der »Universität« sowie der »Wissenschaft«. Diese sind jedoch in einem so hohen Maße flottierend, dass sie eine diskursive Fixierung einer Bedeutung im Zusammenhang mit »Exzellenz« nicht unterstützen können. Des Weiteren dient gerade, so die These, das hegemoniale Projekt der EI dazu, den Universitätsbegriff in einer bestimmten Weise zu fixieren. Dabei gibt es andere, antagonistische Äquivalenzketten, die sich unter anderen Signifikanten koordinieren, um dem Begriff der Universität eine differente Bedeutung beizumessen.

Zur Überformung von Differenzen innerhalb eines hegemonialen Projekts spielt das konstitutive Außen als die Interessen negierendes Moment eine überaus wichtige Rolle, da nur bei negativer Identitätsbildung eben durch dieses negierende Außen Äquivalenzen möglich sind. Interessanter Weise zeigt es sich in diskursiven Beiträgen, dass die EI stets mit bestimmten positiven Zielen konnotiert wird. So ist in der Exzellenzvereinbarung des Bundes mit den Ländern von dem Ziel der Förderung von exzellenter Forschung im Sinne international wettbewerbsfähiger »universitärer Spitzenforschung« die Rede, die »herausragende Qualität« sichert und dabei »Leistungsfähigkeit« unter Beweis stellt. Es wird ein Set von weiteren leeren Signifikanten der »Wettbewerbsfähigkeit«, der »Spitzenforschung«, der »Innovation«, der »Kreativität« oder der »Leistungsfähigkeit« mit dem der »Exzellenz« verknüpft.5 Das Element des Mangels an Allgemeinem wird nicht exponiert artikuliert, ebenso wenig wie auf die Elemente des dieses Allgemeine Negierenden eingegangen wird. Stattdessen impliziert die kompetitive Finanzierungsstruktur die strukturelle Unterfinanzierung der Universitäten, welche als das konstituierende Außen betrachtet werden kann, das die Exzellenz der Hochschulen in der Masse negiert. In diesem Sinne wird die Ausbildung von Äquivalenzketten auch deutlich, wenn die HRK in einer Entschließung schon im Vorfeld der legislativen Verabschiedung der Exzellenzvereinbarung verlautbaren lässt, dass

»das deutsche Hochschulsystem (…) dringend eine verstärkte Förderung im Interesse der wissenschaftlichen Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit (braucht, MA). Die Hochschulen sehen die Herausforderungen, vor denen sie stehen, und sind bereit, sie anzunehmen« (Entschließung des 99. Senats der HRK vom 5.10.2004).

Bildungsministerin Annette Schavan definiert den Horizont der Totalität im diskursiven Feld der Wissenschaft, wenn sie sagt:

»Das gesamte Hochschulsystem sieht sich höchsten Ansprüchen gegenüber, die kaum noch miteinander vereinbar scheinen: Universitäten durchlaufen einen tief greifenden Struktur- und Mentalitätswandel. Sowohl in der Forschung als auch in der Lehre sind Höchstleistungen gefordert. Es gilt, die Forschung im schärfer werdenden internationalen Wettbewerb um Innovation und technologischen Fortschritt mit allem Nachdruck voranzutreiben, es gilt, Forschungszentren von internationaler Strahlkraft zu etablieren, die Spitzenwissenschaftler aus dem In- und Ausland anziehen und zu neuen Spitzenleistungen anregen.« (Schavan 2006a: 04)

Damit wird deutlich, dass, innerhalb der Rhetorik der Exzellenz, Wissenschaft in der Breite und Universitäten als Orte wissenschaftlicher Praxis im besonderen einem (ökonomischen) internationalen Wettbewerb unterliegen und in diesem Wettbewerb überleben müssen. Je weiter die Verbreitung einer solchen Artikulation, desto weniger wird eine andere »Realität« außerhalb dieses Horizonts des Diskurses denkbar und umso mehr kann im Zusammenhang der EI von dem Übergang einer umfassenden Forderung zu einer hegemonialen Forderung gesprochen werden. Als dritter exemplarischer Akteur soll, neben der HRK sowie des BMBF, das CHE dienen. Dieses wurde als gemeinnützige GmbH von der Bertelsmannstiftung unter Reinhard Mohn sowie dem damaligen Vorsitzenden der HRK, Professor Dr. Hans-Uwe Erichsen, im Jahre 1994 gegründet. Die wesentliche Aufgabe des CHE ist die Entwicklung von sogenannten »Hochschulrankings«, in denen Hochschulen nach bestimmten Kriterien untereinander verglichen und in ihrer »Qualität« gemessen werden. Das CHE spielt in diesem Sinne eine große Rolle auch in der Beurteilung der »Exzellenz« der Hochschulen durch die Vergabekommissionen der DFG. In Bezug auf die Beurteilung der »Forschungsqualität« werden als wichtige Indikatoren dabei die Höhe der eingeworbenen Drittmittel durch die Universität bzw. den Fachbereich, die Anzahl der Promotionen sowie der Publikationen und die Anzahl der gemeldeten Erfindungen einbezogen.6 Auf diese Indikatorenauswahl und deren Auswirkungen im Rahmen der EI wird noch zurück zu kommen sein. Im Selbstverständnis des CHE wird explizit auf das Konzept der »entfesselten Hochschule« von Detlef Müller-Böhling rekuriert. Diese bereits im Jahre 2000 im Bertelsmann-Verlag publizierte Schrift gibt einen ersten Hinweis auf den Zeitraum der Etablierung des in der Exellenzvereinbarung kulminierten Diskurses um den internationalen Konkurrenzzwang universitärer Wissenschaft. Müller-Böhling selbst charakterisiert sein Modell wie folgt:

»Autonomie und Wissenschaftlichkeit, Profilierung, Wettbewerbsorientierung und Wirtschaftlichkeit, Internationalität und Virtualität – dies sind die zentralen Merkmale der Hochschule der Zukunft.« (Müller-Böhling 2000: 32)

Die große Homogenität der Absteckung des diskursiven Horizonts zeigt sich somit zum einen in der weiten diskursiven Verbreitung in wichtigen bundesweiten Organisationen der Wissenschaft und Forschung sowie, und dies mag nicht verwundern, bei zentralen Akteuren der EI. An dieser Stelle soll ebenfalls auf die grundlegende Akzeptanz der Grenzen der Objektivität des Exzellenzdiskurses durch die DFG, als der zentralen ausführenden Organisation des formalen Auswahlprozederes der Exzellenzmittelvergabe eingegangen werden. Diese schreibt in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem WR:

»Die Exzellenzinitiative wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und Spitzen im Universitäts- und Wissenschaftsbereich sichtbar zu machen. Die Initiative zielt darauf ab, gleichermaßen Spitzenforschung und die Anhebung der Qualität des Hochschul- und Wissenschaftsstandortes Deutschland in der Breite zu fördern.« (Gemeinsame Pressemitteilung der DFG und des WR Nr. 33 vom 23.6.2005)

An diesen Beispielen zeigt sich die starke Äquivalenzierung differenzieller Positionen unter dem leeren Signifikanten der EI. Dabei ist die stets implizite Artikulierung des konstitutiven Außen der Äquivalenz die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen. Die Positionierungen zeigen die Erwartung, dass mit der Vergabe von gezielten Fördergeldern an einige wenige Universitätsstandorte oder Forschungsprojekte, sogenannte »Exzellenzcluster«, diese Unterfinanzierung, in einer Art Trickle Down Effect auch in der Breite nachhaltig überwunden wird. Somit repräsentiert die Vergabe von Fördermitteln in einem streng kompetitiven Verfahren die allgemein geteilte Forderung nach Ausfinanzierung der Universitäten. Paradoxerweise wird von keinem der hier zitierten Organisationen auf den Umstand eingegangen, dass die verschwindend geringe Zahl der möglichen »Exzellenzuniversitäten« einer breiten Masse von weiterhin unterfinanzierten Hochschulen gegenübersteht. Hier scheint das Strategem der superdifferenziellen Grenzziehung zu greifen. Ähnlich wie die Artikulation des konstitutiven Außen allerdings erfolgt diese Grenzziehung nicht explizit sondern implizit. Während die Finanzmisere deutscher Universitäten noch in manch einem Nebensatz benannt wird, geschieht dies in Hinblick auf die Grenze des diskursiven Feldes nicht. Stattdessen ist die Grenzziehung, die Setzung des Horizonts, die Grenze der Objektivität der äquivalenten Forderung schon immanent. Ein kompetitives Auswahlverfahren, in dem es um Gewinner und Verlierer von zusätzlichen Fördergeldern geht, setzt voraus, dass eine breit aufgestellte und solide finanzielle Grundausstattung für alle Universitäten von vornherein als indiskutabel gesetzt wird. Jedes Element, das innerhalb des Diskurses artikuliert wird, kann nur zu einem Moment transformieren, wenn es diese Fixierung akzeptiert und »das Spiel mitspielt«.

In diesem kompetitiven Charakter der repräsentativen Forderung wird auch die emergente Interpretationsoffenheit des symbolischen Äquivalents des Allgemeinen deutlich: Die Exzellenzvergabe als Lösung der finanziellen Misere, wenn die Universität nur einen Antrag stellt, der die Anforderungen entsprechend erfüllt, entpuppt sich als die Variable, die die Autonomie der Hochschule stärkt – jede Universität ist ihres Glückes Schmied. So ist es für das BMBF möglich, in dieser Forderung die effiziente Nutzung der knappen Ressourcen zu sehen, das CHE wird seinem Grundsatz einer wettbewerbsorientierten Universität gerecht, die HRK sieht ihre Forderung nach finanzieller Förderung erfüllt und die DFG kann die Autonomie der Wissenschaft als gewahrt betrachten. Diese relative Interpretationsoffenheit lässt auf eine gewisse Stabilität der Formation schließen.

Die knappe Darstellung des diskursiven Feldes anhand zentraler Akteure der EI zeigt die vielfältige Einbindung von kollektiven Akteuren und die Zuschreibung von Subjektpositionen innerhalb des Diskurses im Sinne des Strategems der Einschreibung bzw. Fortschreibung von Subjektpositionen für politisch-gesellschaftliche Kräfte. Insbesondere die Einbindung der großen bundesweiten Selbstverwaltungsorganisationen der wissenschaftlichen Gemeinschaft (WR und DFG) stärken die Position der EI. Diese können dabei in der Rolle der Wissenschaftsexperten und Interessenvertreter gesehen werden, während das CHE und die Bertelsmannstiftung als Methodik-Experten des Vergleichs von Hochschulen und ihrem unter dem Aspekt der jeweiligen Signifikanten betrachteten Potential eine informationelle Grundlage zur Entscheidung über Mittelvergabe liefert. Zusammen mit dem BMBF erschließt sich dem hegemonialen Projekt somit eine große Bandbreite an Kommunikationskanälen, die die Sichtbarkeit und den Verbreitungsgrad der Diskursformation erhöhen.

Die große Kohärenz im Verständnis des Begriffes der »Exzellenz« unter den hier analysierten Akteuren zeigt die geringen hegemonialen Kämpfe auf der zweiten Ebene um die Besetzung von Begriffen. Demnach lässt sich das BMBF zumindest als Initiator des Programms als eigentlicher Verfechter verstehen. Als einen Hinweis darauf lassen sich etwa Formulierungen in Reden der Bildungsministerin Schavan deuten, wenn sie die große Verantwortung der Bundes für die Entwicklung und Förderung der international konkurrenzfähigen Spitzenforschung und der Wissenschaft als Einheit von Lehre und Forschung in der Breite betont (vgl. exemplarisch Schavan 2006a oder Schavan 2006b). Stellungnahmen der HRK zeigen eine formationsimmanente Praxis der Kritik, die zu Reformen in Bezug auf Programminhalte der Mittelvergabe führen:

»Der Senat der Hochschulrektorenkonferenz hat im Juli 2009 festgestellt, dass die ,Exzellenzvereinbarung II‘ den von der HRK im Mai 2008 formulierten Anliegen im wesentlichen Rechnung trägt« (Entschließung der 7. Mitgliederversammlung der HRK vom 24.11.2009).

Dies gibt einen weiteren Hinweis auf die Stabilität der Formations-Formierung. Nicht gelungen scheint es hingegen, den Gewerkschaften eine Subjektposition zuzuweisen, wenn etwa die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Position bezieht und deutlich macht:

»Eine Folge der Föderalismusreform von 2006 ist der Abschied vom alten Verfassungsgrundsatz der »Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse« auch in Bildung und Wissenschaft. Die GEW wendet sich gegen eine hierarchische Differenzierung in Elite- und Massenhochschulen.« (GEW o. D.)

Hier wird exemplarisch deutlich, dass andere Diskursformationen versuchen, unter Rekurs auf die »Elitehochschule« als den die »Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse« negierendem Moment, eine differente Hegemonie zu etablieren. Jedoch kann mit einiger Berechtigung bezweifelt werden, ob die diskursive Sichtbarkeit dieser Position auch nur annähernd mit jener der EI vergleichbar ist.

Wie geht es weiter nach 2017?

Es stellt sich nun die Frage nach den Inhalten einer hegemonialen Strategie im Rahmen der EI. Dabei fällt zunächst auf, wie Eingangs schon erwähnt, dass die EI in Anbetracht des Umfangs der Mittel nur schwerlich als Antwort auf die strukturellen finanziellen Probleme der Hochschulen interpretiert werden kann. Es stellt sich vielmehr die Frage nach der Wissenschaftskultur, die mit dem Exzellenz-Denken gezielt gefördert und welche davon verdrängt wird. Zentral ist hier sicher der Gedanke des Wettbewerbs um Forschungsmittel, der seit längerer Zeit den Wissenschaftsbetrieb prägt und unter anderem mit dem sog. Matthäus-Effekt beschrieben wurde (vgl. zur Problematik der Drittmittel im Allgemeinen und der EI im Besonderen: Münch 2009). Das Neue und Problematische erscheint hier eher in der Verdrängung des Wettbewerbs um Erkenntnis, der historisch im Selbstverständnis der Wissenschaft die weitaus größere, wenn man so will – tugendhaftere – Rolle spielt. Relativ neu sind auch die, bereits beschriebenen, Methoden, mit deren Hilfe die Gewinner der Wettbewerbe ermittelt werden sollen. Diese zunehmende Strukturierung von Forschungspraxis anhand festgelegter Beurteilungsparameter ermöglicht eine statistische Erfassung und Beschreibung sowie Bewertung von Universitäten unter diesen Parametern. Historisch zeigt die Entwicklung der Sozialwissenschaften und damit auch der Beschreibung sozialer Ordnungen das enorme Potential solcher Empirie-basierter Kennziffern als Herrschaftsinstrument (vgl. Demirovic 2007c, 15f). Die Prämisse, die EI auch als politisches Steuerungsinstrument zu betrachten, erscheint unter diesem Aspekt als relativ belastbar, wenn Schavan die Rolle der Politik folgendermaßen beschreibt: »Es ist jetzt unsere Aufgabe, neue Steuerungsinstrumente seitens der öffentlichen Hand zu entwickeln, die dem Leitbild der Autonomie und des Wettbewerbs gerecht werden« (Schavan 2006b: 3). Angesichts der forcierten Rolle der Universitäten als Bittsteller erscheint diese fingierte Autonomie als einer der zentralen Rationalitätsmythen der Exzellenz-Rhetorik. Es drängt sich hier die Frage nach dem Verhältnis zwischen EI und dem sogenannten Bologna-Prozess auf. Dieser, inzwischen seit mehr als zehn Jahren aktive, innere Strukturreformprozess an deutschen Universitäten wird inzwischen von Seiten Schavans als »europäische Erfolgsgeschichte« (Wegener 2012: o. S.) bezeichnet. Eine Parallele lässt sich aufzeigen: die Schaffung von Vergleichbarkeit zwischen den Universitäten und Studiengängen etwa durch Einführung von Rankings auf Kennzifferebene, effizientere Verwaltung der Studiengänge durch Einführung von ECTS-Punktesystemen oder der Modularisierung der Lehrpläne. In beiden Fällen erhöht sich der Einfluss öffentlicher Verwaltungs- und Entscheidungsträger auf die Ausgestaltung universitären Alltags sowie der langfristigen wissenschaftspolitischen Ausrichtung der Hochschulen (vgl. exemplarisch Brandt 2011, 131-138). Hier scheint das Kernanliegen der hegemonialen Strategie zu liegen: die Stärkung und dauerhafte Verankerung eines an Zielvereinbarungen und Leistungsregimes orientierten Wissenschafts(selbst)verständnisses sowie die Erhöhung des Einflusses wissenschaftsferner Verwaltungsstrukturen. Dafür sprechen auch die aktuell diskutierten Perspektiven für die Fortführung der Programme zur Forschungsförderung, die an Intensität zunehmen, da bis zum Jahr 2020 alle Bund-Länder Programme für die Hochschulförderung auslaufen: etwa der Pakt für Forschung und Innovation (2015), die EI (2017) oder der Hochschulpakt (2020) (vgl. zu aktuellen Diskussionsbeiträgen etwa Forst et. al. 2012 oder Gaethgens 2012). Der WR umreißt die Eckpunkte eines »Zukunftspaktes« in seiner Stellungnahme Nr.17 vom Juli 2013: Die Herausforderung sei es, die primär im Feld der Forschung initiierte positive Entwicklungsdynamik in die Breite zu tragen.7 Bezogen auf die Finanzierung der Hochschulen bedeutet dies eine Fortführung der in den 90er Jahren im Geiste des New Public Managements begonnenen Umstrukturierung der Hochschulen. Unter Voraussetzung des Steuerungsinstruments der Ziel- und Leistungsvereinbarung sollen die Grundmittel jährlich erhöht werden (vgl. Gaethgens 2012, 57f). Um zusätzlich eine effiziente Nutzung der Mittel zu gewährleisten, sollen auf der Ebene der Fachbereiche hauptamtliche Verwaltungsstellen in Schlüsselpositionen wie Dekanat und Präsidium geschaffen werden (ebd. 53). Diese Perspektiven bedeuten zum einen eine fortgeführte Schwächung der Autonomie der Hochschulen, wenn diese mit den Ländern Vereinbarungen über Erträge ihrer (wissenschaftlichen) Arbeit treffen müssen, um eine Aufstockung ihrer Mittel zu erhalten. Zum anderen werden Verwaltungsstrukturen gefordert, die keinen Bezug zu wissenschaftlicher Praxis mehr haben, wie es (noch) der Fall ist, wenn Professoren und Mitarbeiter sowie Studierendenvertreter_innen idealiter paritätisch die Verwaltungsaufgaben übernehmen.

Hier liegt auch die Brisanz des Reformprogramms verborgen. Drei verschiedene Ansätze scheinen sich hier in ein diskursives strategisches Muster einzupassen: zum einen die »Bologna-Reform«, die grundlegende Veränderungen in der internen Organisationsstruktur der Universitäten in Bezug auf die Lehre zur Folge hat; zum anderen die EI, die eine grundlegende Veränderung der Finanzierung der Universitäten und ihrer Forschung sowie die Spaltung der Universitätslandschaft zur Folge hat und den staatlichen Einfluss auf die Forschungspraxis massiv ausbaut; die dritte Reform zielt auf die Möglichkeiten staatlicher Finanzierung an sich – die Gesetzesnovelle des Artikels 91b GG — die eine direkte und langfristige Finanzierung von Elite-Universitäten durch den Bund ermöglichen würde. In diesem Sinne lässt sich die EI in ihren ersten Phasen als Testlauf begreifen, in dessen Rahmen Hochschulen zeigen konnten, ob sie bereit und im Stande sind, ihre grundsätzliche Ausrichtung an den Erfordernissen des Staates als Exzellenzmittel-Geber zu orientieren. Zuverlässige Partner in diesem Konkurrenz-Tango hätten anschließend eine direkte und langfristige Ausfinanzierung durch den Bundesetat erhalten können. Damit ergäbe sich das Bild einer großen Menge von Massenuniversitäten, die einer beständigen Unterfinanzierung sowie dem Kampf um Drittmittel untereinander gegenüberstünden und eine kleine Anzahl an großzügig finanzierten Universitäten, die sich hervorragende Lehr- und Forschungsbedingungen leisten könnten. Dass diese Universitäten nicht für jeden offen wären, ergibt sich wohl mindestens aus dem Verhältnis der Interessierten und der verfügbaren Studienplätze. Dieser Teil der Strategie ist an dem Votum der Opposition im Bundesrat gescheitert. Trotzdem hat die Entwicklung weitreichende Folgen für die Wissenschaft und Lehre und ein erneuter Gesetzesentwurf zu gegebener Stunde ließe dieses Szenario zeitnah Realität werden.

Es steht außer Frage, dass Universitäten und Staat in einem engen, sich gegenseitig bedingenden, Verhältnis stehen und dieses massive Auswirkungen auf universitäre Richtungsentscheidungen hat; unter anderem auch durch variabel gestaltbare Sockelfinanzierungen der Bildungsanstalten. Die vorangehenden Ausführungen machen jedoch den Unterschied deutlich, der darin besteht, ob eine Universität als rechtlich eigenständig verwaltete Instanz in einem selbstständig entwickelten und im Idealfall internen Wettbewerb um Erkenntnis die vom Staat Fach-unspezifisch zugewiesene Sockelfinanzierung an die Fakultäten verteilt oder ob dieses potentiell demokratische Prozedere strukturell verhindert und durch ein antidemokratisches ersetzt wird. Antidemokratisch dort, wo den Universitätsangehörigen ihr grundgesetzlich zugesichertes Recht auf Selbstverwaltung verunmöglicht wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Analyse der EI zeigt, dass es sich um eine in der Transformation befindliche, umfassende Forderung auf dem Weg zu einer hegemonialen Forderung handelt. Dies zeigt sich insbesondere in der Einbindung vielfältiger kollektiver Akteure, die eine weitreichende Sichtbarkeit des Diskurses zur Folge hat und der hohen Kohärenz der Artikulationen. Die hegemoniale Strategie zielt dabei in erster Linie weniger auf eine materielle Veränderung der Hochschulstruktur sondern vielmehr auf einen Wandel der Wissenschaftskultur, welcher sehr viel schwerwiegendere und längerfristige (materielle) Folgen nach sich zieht.

Kognitiver Kapitalismus – zur ökonomischen Immanenz des Wissens

Nicht alle Fragen in Bezug auf die EI lassen sich aber mit der diskursorientierten Analyse bearbeiten. Die Antwort auf die Frage nach dem »Warum« etwa muss die Hegemonietheorie im Wesentlichen schuldig bleiben, da sie, wie Laclau und Mouffe betonen, nichts über die Entstehung von Hegemonien sagt, sondern über deren innere Funktionsweise und Wirkung ebenso Auskunft zu geben versucht wie über die Frage der Möglichkeiten gegenhegemonialer Projekte. Für die Antwort nach dem »Warum« lohnt sich ein Blick auf die Umbrüche der wirtschaftlichen Entwicklung in dem Zeitraum der Krise des Bildungs- und insbesondere des Hochschulsystems.

Dabei fällt auf, dass Wissen in wirtschaftlichen Zusammenhängen von zunehmender Bedeutung ist. Eng verknüpft mit dieser ökonomischen Entwicklung ist der Begriff der Wissensgesellschaft oder des Kognitiven Kapitalismus, der in der Soziologie heute einen prominenten Theoriestrang ausmacht. In diesem Rahmen wird die Bedeutung von Wissen für soziale Ordnungen und deren kapitalistische Produktionsweise8 in den Vordergrund gestellt (vgl. Böschen 2010, 159f; Moulier-Boutang 2001, 29)9 – Wissen jedoch ist es, was für wirtschaftliche und politische Prozess von zunehmender Bedeutung zu sein scheint. Alex Demirovic weist darauf hin, dass schon die Struktur von Gesellschaft ganz wesentlich durch Macht-Wissen-Dispositionen bestimmt sei, wie sie sich etwa in Formen von »Wissenseinrichtungen« (Demirovic) der Akkreditierung, Supervision oder Evaluation zeige (vgl. Demirovic 2004a, 262). Wird allerdings die tatsächliche Verfügbarkeit von Wissen analysiert, fällt schnell auf, dass hier massive Restriktionen durch die Erfordernisse von sozialem und kulturellem Kapital zum Erwerb von Wissen greifen, wie zahlreiche Studien zur Bildungsgerechtigkeit zeigen (vgl. etwa Preuß 2008/Die Zeit 18.11.2008). Gegen eine Konzeption der Wissensgesellschaft als einer Post-Antagonistischen Gesellschaft richtet sich das Konzept des Kognitiven Kapitalismus. Während einschlägige Konzeptionen von Wissensgesellschaften in Bezug auf ökonomische Entwicklungen noch von einer zunehmenden Bedeutung des Finanzkapitalismus ausgehen, in dem Wissen eine zentrale Rolle spielt, wird die zunehmende Monetarisierung der Ökonomie im Modell des Kognitiven Kapitalismus von Moulier-Boutang nur als ein Symptom der Transformation vom Industrie- oder Finanzkapitalismus in die dritte Form, eben den Kognitiven Kapitalismus angesehen (vgl. Bittlingmayer 2001, 16; Moulier-Boutang 2002, 29). Als in marxistischer Theorietradition stehend begreift diese Perspektive die ökonomische Grundlage als den entscheidenden Einflussfaktor in der Konstruktion sozialer Ordnungen. Das Symptom der zunehmenden Monetarisierung der Wirtschaft wird als Zeichen einer grundlegenden Veränderung der materiellen Produktion jenseits von Industrie-, Finanz- oder Handelskapitalismus gedeutet (vgl. Moulier-Boutang 2002, 29). Kennzeichen von solchen Gesellschaften in Transformation sei dabei ein Akkumulationssystem, welches die Investitionen eines Teils des Sozialprodukts zur Erweiterung der Produktion beschreibe, in deren Fokus »Wissen« als Hauptressource stehe. In einem solchen System hätten Forschung, technologischer Fortschritt, Bildung, Informationsfluss, Kommunikationssysteme, Innovation, organisiertes Lernen und strategisches Management der Organisation ebenso einen hohen Stellenwert, wie die Rolle der Informationserfassung sowie ihrer Verarbeitung insbesondere in Bezug auf den Produktionsprozess. Damit einher gehe auch die Etablierung von Netzwerken als organisatorischem Paradigma, das hierarchische Strukturen zunehmend verdränge, da sie die Entfaltung immateriellen Wertes und dessen Abschöpfung tendenziell einschränken würden (vgl. Moulier-Boutang 2002, 32). Damit sei auch ein Wandel in der Produktionsstruktur verbunden. Die verbreitete Sichtweise auf eine »ökonomische Sphäre«, die stark von der Systemtheorie beeinflusst ist, geht davon aus, dass es einen relativ klar zu begrenzenden Bereich der Gesellschaft gibt, der wirtschaftlichen Prozessen zuzuschreiben ist. So stehen im Industriekapitalismus vor allem Produktionsstätten wie Fabriken, Fertigungsanlagen oder Ressourcenförderung im Zentrum der ökonomischen Sphäre. Natürlich lässt sich diese Sphäre nicht mit einer klaren Grenze von anderen Bereichen der Gesellschaft trennen, dennoch geht der Autor davon aus, dass sich etwa die Optimierung von Prozessen auf die materielle Produktion beziehe und damit den Kern der ökonomischen Sphäre (vgl. Moulier-Boutang 2002, 31). Hingegen mit der Transformation zum Kognitiven Kapitalismus verliert die materielle Produktion (relativ!) an Bedeutung und Gesellschaften, so der Autor, würden dazu neigen, verstärkt Kontrolle über Orte oder Akteure auszuüben, die über das Potenzial der Wissenserzeugung verfügen: »Es geht hauptsächlich darum, technisches Wissen zu verwalten, die Entwicklung von Lernprozessen sicherzustellen, neues Wissen zu schaffen und sich den Zugang zu allen verfügbaren Kenntnissen zu sichern« (ebd.). Dies zeige sich unter anderem in dem Versuch, ursprünglich außen stehende Ressourcen, sogenannte Externalitäten, in das Zentrum der Produktion zu rücken und in die ökonomische Sphäre zu integrieren, um sie so einer Nutzbarmachung zuzuführen, die diese Externalitäten in Wert/Profit umwandeln würde. Externalitäten stellen dabei etwas dar, das außerhalb des Objekts (der Sphäre des Ökonomischen, bzw. dem in Transformation begriffenen ökonomischen Netzwerk) steht und sich entwickelt und durch den Einbezug als externer Effekt in positiver oder negativer Weise zurückwirkt (vgl. ebd. 31-34).

Wissen gewinnt also mit der Transformation zum »dritten Kapitalismus« als ökonomischer, aber auch politischer Faktor enorm an Bedeutung. Im Vergleich zu klassischen Ressourcen führt der immaterielle Charakter dieser Ressource jedoch dazu, dass der Wert nicht mehr über die Arbeitszeit, die zu seiner Herstellung nötig ist oder die Endlichkeit der Ressource bestimmt werden kann. Die Benutzung des Wissens führt nicht dazu, dass es verbraucht wird, es wird nur gebraucht. Lediglich künstliche Verknappung kann zu einer Wertsteigerung des Wissens führen. Aus diesen, hier nur unvollständig dargestellten, Merkmalen dieser Ressource ergibt sich auch die Ablösung des hierarchischen durch das netzwerkartige Organisationsmodell: Wissen entsteht in allen Bereichen der Gesellschaft — in der Freizeit, während der Arbeitszeit, im Gespräch mit Freunden etc. In einem hierarchischen Modell lassen sich jedoch nicht alle Bereiche in dem Sinne kontrollieren, dass jeweils die Möglichkeiten der Abschöpfung und Nutzbarmachung des entstehenden Wissens möglich wäre. Aus diesem Grunde ergibt sich die Notwendigkeit der Überformung jeden Bereichs gesellschaftlichen Lebens durch ökonomische Netzwerkstrukturen, um eben jene Nutzbarmachung gewährleisten zu können.

Für eine liberale Wissenschaftsstrategie bedeutet dies, dass Orte der Wissensproduktion stärkerer Kontrolle unterworfen werden müssen, um sie ökonomisch nutzbar machen zu können. Dass diese Auffassung auch in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik seit Längerem Verbreitung findet zeigen etwa Stellungnahmen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), wenn diese in einer gemeinsamen Erklärung mit Forschungs- und Wirtschaftsverbänden schreiben:

»Deutschland muss mehr in Bildung und Forschung investieren, um im internationalen Wettlauf um die Zukunft wieder einen Spitzenplatz zu erlangen. Das bedeutet, dass öffentliche Hand und Wirtschaft sich in ihrem Engagement an ihren Hauptkonkurrenten orientieren müssen. Gleichzeitig müssen die Verantwortlichen in diesen Sektoren einen effizienten Einsatz der Mittel garantieren. Auch dafür ist Leistungswettbewerb die geeignete Triebfeder.« (Gemeinsame Erklärung der HRK mit Forschungs- und Wirtschaftsverbänden vom 14.04.2002)

Inwiefern diese Entwicklungen ursächlich für die Konstruierung eines neuen hegemonialen Wissenschaftsverständnisses angesehen werden können, ist auf der Grundlage dieser Überlegungen nicht abschließend zu bejahen. Dennoch geben sie Hinweise auf mögliche Motive.

Was bleibt

Sowohl die Pläne zur Gründung auf Dauer gestellter Elite-Universitäten der Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel sowie die bereits implementierte Bologna-Reform mit ihren Bürokratisierungstendenzen geben Hinweise auf eine umfassendere hegemoniale Strategie. Ein Verständnis dieser Strategie als von einem zentralen Subjekt intendiertem Plan muss allerdings zu kurz greifen. Stattdessen ermöglicht die hegemonietheoretische Perspektive in dem Verständnis von Diskurs und Subjekt als sich gegenseitig bedingenden Bestandteilen der Hegemonie radikale Ansätze zum Widerstand gegen die mit Recht vielfältig kritisierten, massiven Einschränkungen individueller und kollektiver Entfaltungsmöglichkeiten im Bildungsbereich. Das historische Potential der Universität als Hort kritischer Reflexion politischer, ökonomischer und ethischer Fragestellungen und Probleme, vor allem bedingt durch relative finanzielle und rechtliche Selbstständigkeit bildet dabei eine Gefahr für Herrschaftsordnungen. Gerade Universitäten sind es aber, die als Produktionsstätten von potentiell vielfältig (ökonomisch und politisch) verwertbarem Wissen im Übergang zum Kognitiven Kapitalismus zentrale Ressourcen darstellen. Da Wissen tendenziell in hierarchisch flachen Netzwerkstrukturen entsteht, ist es schwerer zu kontrollieren, als Prozesse in einer vertikal-hierarchischen Struktur. Die stabile Diskursformation um die Bundesregierung, HRK, DFG, CHE und WR scheint mit den Reformen in der Folge der Bologna-Beschlüsse und der EI diesem potentiellen Kontrollverlust durch ein weites Geflecht diskursiver Präsenz zugunsten eines staatsorientierten Wissenschafts- und Universitätsverständnisses gegenzusteuern. Gleichzeitig sollen durch die künstliche Verknappung von Freiräumen und Ressourcen zur Erzeugung von Wissen die Komplexität und horizontale Ausdehnung von Wissensnetzwerken eingeschränkt werden, um so subtilen Einfluss auf Inhalt und Richtung wissenschaftlicher Forschung und Lehre durch indirekten Zwang zu forcieren. Dabei haben die Veränderungen, die vor allem die historisch gewachsenen Charakteristika der Autonomie der Hochschulen, wie der Freiheit der Lehre und Forschung zunehmend in Frage stellen, das Potential, das Selbstverständnis der wissenschaftlichen Kommunität nachhaltig zu verändern. Problematisch wird dies dann, wenn das Potential verloren geht, Universitäten als Hort kritischer Reflexion politischer wie ökonomischer Probleme und Fragestellungen zu denken. Hochschulen würden dann einen Großteil ihrer Daseinsberechtigung verlieren.

Die Analyse zeigt, dass sich mit der EI Elemente einer hegemonialen Strategie erkennen lassen, die nach den Strategemen Nonhoffs entweder als in Entstehung begriffen oder bereits hegemonial klassifiziert werden kann.

Dem wissenschaftlichen Anspruch von Laclau und Mouffe folgend, stellt sich die Frage: Was tun? Den Wert dieser Analyse mögen andere beurteilen. Was jedoch geboten scheint, ist eine gründlichere Fortführung des Ansatzes, als es dieser Text leisten kann. Welche demokratischeren Alternativen zur aktuellen universitären Selbstverwaltung gibt es? Welche Anknüpfungspunkte könnte ein alternatives hegemoniales Projekt zur Entwicklung einer hegemonialen Idee der Universität nutzen? Sollte es auch in Zukunft der HRK überlassen sein, die Universitäten auf Bundesebene zu vertreten oder sind es nicht vielmehr die zunehmenden Massen der prekär beschäftigten Mitarbeitenden und Studierenden, die ihre Interessen in einer neuen Spontaneität zu vertreten haben? Neu sind diese Fragen nicht und doch aktuell, wie vielleicht seit Entstehung der Universitäten nur in wenigen historischen Zäsuren.

Wann eine solche, die Massen bewegende, Spontaneität auftreten wird: Das ist die Frage, that‘s the question, wie Rosa Luxemburg sagen würde.

 

 

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Fußnoten

1 Eine grundlegendere Diskussion der Geschichte der Universitäten kann und soll nicht Gegenstand dieses Aufsatzes sein. Wesentliche Grundlage der hier geäußerten Ansichten über die Entstehung und Beschaffenheit universitärer Strukturen und Konzepte sind zum einen der Essay von Brandt, Reinhard Wozu noch Universitäten? Ein Essay; Hamburg 2011 sowie der Aufsatz Krippendorff, Ekkehart (1996) Die Idee der Universität in: PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, Heft 104, 26. Jg., Nr. 3, S. 431-441.

2 Zur weiterführenden Lektüre zur Thematik der Bürokratisierung der Hochschule und des Wissenschaftsbetriebs empfiehlt sich der Essay von Brandt, Reinhard Wozu noch Universitäten? Ein Essay; Hamburg 2011.

3 Das Auswahlprozedere sowie die Aufgabenteilung zwischen WR, DFG etc. sollen an dieser Stelle nicht detailliert dargelegt werden, da sie zu einem erweiterten Verständnis in Bezug auf die Fragestellung nicht notwendig erscheinen. Wichtig ist vor allem das relative Demokratiedefizit, das sich im Auswahlprozedere ergibt. Für weitere Informationen empfiehlt sich jedoch die Internetpräsenz des BMBF: http://www.bmbf.de/de/1321.php

4 Zu einer einführenden Übersicht über kritikwürdige Elemente in der Hegemonietheorie empfiehlt sich der Beitrag von Demirovic Hegemonie und die diskursive Konstruktion der Gesellschaft in Nonhoff, Martin Diskurs, radikale Demokratie, Hegemonie. Zum politischen Denken von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe.

5 Vergleiche zur Positivität der Identität die Hightech-Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Bezug auf Wirtschaft und Wissenschaft: http://www.bmbf.de/de/6610.php (abgerufen zuletzt am 25.09.2012).

6 Vgl. hierzu den Kriterienkatalog, der von der Wochenzeitung Die Zeit im Internet bereitgestellt wird: http://ranking.zeit.de/che2012/de/ueberdasranking/kriterien (zuletzt abgerufen am: 31.01.2013)

7 Das Konzept des WR kann an dieser Stelle nicht ausführlich behandelt werden und eine verkürzende Darstellung ist unvermeidbar. Dennoch werden in den Beispielen Grundtendenzen eines Wissenschaftsverständnisses deutlich, die u. U. auch mit progressiveren Forderungen in diesem Konzept unvereinbar erscheinen und diese unglaubwürdig erscheinen lassen.

8 In diesem Kontext ist die kapitalistische Produktionsweise zu verstehen als die Möglichkeit von Privateigentum an Produktionsmitteln, die zur kollektiven Reproduktion notwendig sind und deren Zugang durch diesen Umstand gewissen Restriktionen unterliegt. Entscheidend ist hier die Tendenz, dass Individuen und Kollektive danach streben, Ressourcen im allgemeinen Sinne einer ökonomischen Verwertung zuzuführen, um einen privaten Gewinn zu erzielen.

9 Auf die beiden Konzepte soll an dieser Stelle nur Umrissartig eingegangen werden, da rudimentäre Kenntnisse zunächst ausreichend sind, um den Einfluss auf die Beziehung von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zu erfassen. Weiterführend sei hier zur Einführung verwiesen in Bezug auf die „Wissensgesellschaft“: Engelhardt, Anina/Kajetzke, Laura (Hrsg.) Handbuch Wissensgesellschaft. Theorien, Themen und Probleme; Bielefeld 2010 oder Bittlingmayer, Uwe H./Bauer, Ullrich Die „Wissensgesellschaft“. Mythos, Ideologie oder Realität?, Wiesbaden 2006; In Bezug auf die Konzeption des „Kognitiven Kapitalismus“ sei zur Einführung verwiesen auf: Moulier-Boutang Marx in Kalifornien: Der dritte Kapitalismus und die alte politische Ökonomie, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 52±53; Trier 2001; S. 29-37 sowie vertiefend: Pahl, Hanno (Hrsg.) Kognitiver Kapitalismus. Soziologische Beiträge zur Wissensökonomie, Marburg 2007

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