Die neosoziale Regierung des Protests: Präventionismus, Aktivierung und das Ende der Kritik (Peter Ullrich)

Der Neoliberalismus, oder besser die „neosozialen“ (Lessenich 2008) gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen der sozialdemokratisch geprägte, fordistische Fürsorgestaat durch den präventiven Sicherheitsstaat abgelöst wurde, unterminieren eine wesentliche Voraussetzung sozialer Bewegungen – den Willen und die Fähigkeit, Sozialkritik an die Gesellschaft zu adressieren. Denn der Neosozialstaat ist auf die Produktion von Subjekte aus, deren individualisiertes Streben eher auf individualisierende Selbstoptimierung zielt, denn auf politische Kollektivität und Kritik.

Warum Sagen nicht Sehen und Sehen nicht Sagen ist. Mit Michel Foucault gegen die Diskursanalyse

Wer im Anschluss an Michel Foucault oder im direkten Bezug zu dessen Untersuchungen forschen will, der stößt mit einiger Sicherheit auf den Ansatz der Diskursanalyse. Wird Foucault mit dieser Diskursanalyse identifiziert, besteht die Gefahr, aus dessen Denken jene Nacht zu machen, von der Hegel sagte, in ihr seien alle Kühe schwarz (Hegel 1988, 13). Die große Vielfalt theoretischer Begriffe, die Foucaults Schriften auszeichnet, wird im Zuge einer solchen Diskursanalyse mitunter auf einen einzigen Begriff reduziert: Den des Diskurses.

Gewalt als das andere der Macht? Überlegungen im Ausgang von Hannah Arendt und Michel Foucault

‚Macht‘ gehört ohne Zweifel zu den Schlüsselbegriffen der politischen Philoso­phie. Ebenso breite Aufmerksamkeit erfahren Fragen der Bestimmung, Ausübung und Eingrenzung von Macht in der aktuellen Politik- und Sozialwissenschaft. Jedoch hat kaum ein Phänomen in der geisteswissenschaftlichen Tradition solch unterschiedliche, mitunter gerade entgegengesetzte Zuschreibungen erfahren wie die Macht. In ihrer Einleitung zu dem Sammelband ›Macht. Begriff und Wirkung in der politischen Philosophie der Gegenwart‹ heben die Herausgeber die auffälli­ge Heterogenität der Bestimmungen hervor, welche Macht in der Theoriebildung zugesprochen bekommen hat: Oftmals werde sie mit der Einwirkung von Zwang assoziiert – Macht als Potential zur Überwindung von Widerständen oder zur Unterwerfung von Widerstrebendem –, dann wiederum werde sie verstanden als Gestalt gebendes Medium, das sämtliche Bereiche des sozialen Zusammenlebens durchwirkt und produktiv formt.