Was ist der dritte Stand? Der akademische Mittelbau im postdemokratischen Produktionsbetrieb

Abstract

The author analyzes the change of academic rationality at German universities in the course of the so-called Bologna reforms, specifically taking into account the situation of employees in the mid-level/non-tenure faculty. It is argued that the diagnosed crisis of universities is not only caused by the lack of funding but also engendered by post-democratic power relationships at universities, technocratically transformed into service companies. This new character of the German higher education system entails precarious employment and legally regulated employment bans (WissZeitVG), thus strategically closing the academic field. The analysis is based on Pierre Bourdieu’s concept of symbolic power/violence as a theoretical matrix for studying asymmetrical power relationships grounded in strategic policies which are aimed at stabilizing a specific allocation of recognition and material resources.

 

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1. Was ist der dritte Stand? Alles

2. Was ist er bis jetzt in der akademischen Ordnung gewesen? Nichts.

3. Was verlangt er? Etwas darin zu werden.1

Der Text analysiert den Systemwechsel wissenschaftlicher Rationalität an deutschen Hochschulen (Bologna-Reform) unter besonderer Berücksichtigung der Beschäftigungssituation des akademischen Mittelbaus. Dabei wird die These vertreten, dass die Krise der Universitäten nicht allein auf ihre defizitäre Finanzausstattung und fehlgeleiteten Geldflüsse zurückgeführt werden kann, sondern auch in den postdemokratischen Machtverhältnissen der technokratisierten Bologna-Dienstleistungsuniversität begründet liegt, die in besonderem Maße prekäre Beschäftigungsverhältnisse und hochschulpolitische Berufsverbote (WissZeitVG) einsetzt, um das wissenschaftliche Feld strategisch zu schließen. Theoretisch fundiert und anschlussfähig gehalten wird die Analyse daher mit dem Konzept symbolischer Gewalt (Pierre Bourdieu) als Matrix verfestigter asymmetrischer Machtverhältnisse, die auf politischen Strategien beruhen und auf die Stabilisierung einer spezifischen Anerkennungs- und materiellen Verteilungsstruktur gerichtet sind.

Zwar ist die Umsetzung der Reformen an den Hochschulstandorten different, doch unterliegt sie einer beklemmend ähnlichen Tendenz, die allerdings durch je spezifische Wissenskulturen und lokale Pathologien vor Ort noch verschärft werden kann. Grundsätzlich entspricht sie aber einer Entwicklung, die aus anderen gesellschaftlichen Teilbereichen sozialer Infrastruktur bereits bekannt ist, so dass durch den Umbau von Universitäten zu betriebswirtschaftlich agierenden Dienstleistungsunternehmen individuelle und gesellschaftliche »Dynamisierungsimperative« (Dörre, Lessenich und Rosa), sozio-ökonomische Landnahmen sowie kulturelle Beschleunigungs- und politische Steuerungsprozesse reflektiert werden, denen eine spezifisch globale Verwertungslogik und eine Umdeutung des Gemeinwohls als Basiscode krisenhafter Wachstumsregime eingeschrieben ist.

Die technokratisierte Bologna-Dienstleistungshochschule stellt hier in vielfältiger Hinsicht eine dysfunktional-hybride und oligarchische Institution mit anachronistischer Personalstruktur sowie postsozialistisch-planwirtschaftlicher Prägung dar. Wirklichkeitssoziologisch ist die post-akademische Universität damit zugleich ein Paradigma für das Verständnis allgemeiner sozialer Gegenwartspraxis, insofern die aktuelle Situation an den Hochschulen sowohl die Struktur-, Regulations- und Kohäsionskrisen einer sich individualisierenden Gesellschaft im Zeichen »chronischer Anomie« (Durkheim 1992), als auch den Wandel gesellschaftlicher Wissensformen und Machttechnologien im Sinne von Michel Foucault widerspiegelt. Durch die Kolonialisierung ökonomischer Rationalitäten und Managementprinzipien wird eine neue Herrschaftsform etabliert. Die mentalen Zeitgeistparameter (jung, mobil, konform, flexibel, expressiv, narzisstisch, transnational) verweisen dabei auf die in praxi spürbare »Vakanz des Symbolischen in der Vermittlung von Imaginärem und Realem« (Helsper 2008, 121), auf Heilsgeschichten hochschulpolitischen Marketings einer »unbewältigten Sprache« (Klemperer 1969) oftmals nervender, transnational tönender wettbewerbsorientierter Zukunftsrhetorik und künstlich inszenierter Hochglanzselbstdarstellung, die zu der Realität gegenwärtiger universitärer Nicht-Orte in scharfem Kontrast stehen.

Gerne wird bei all diesen Transformationen von den (auch wissenschaftlichen) Kommentatoren suggeriert, dass es sich dabei um einen unbestimmten, aber unaufhaltsamen Prozess ohne steuerndes Zentrum handelt oder allein die Komplexität der Interaktionen zu nicht-beabsichtigten Fehlentwicklungen geführt haben soll. Dies ist zwar strategisch klug argumentiert, aber wenig realitätsnah. Denn führen diese Anmutungen eher zur Abbitte organisierter Verantwortungslosigkeit, so wäre der Fokus hingegen doch gezielt auf die Akteure der Botschaften zu richten, »auf die spezifischen Interessen, die hinter ihrem Handeln stehen, auf die Strategien, die sie in ihren Kämpfen anwenden« (Bourdieu 1985, 121). Denn »jede Gesellschaft hat ihre eigene Ordnung der Wahrheit, ihr (sic!) allgemeine Politik der Wahrheit: d.h. sie akzeptiert bestimmte Diskurse, die sie als wahre Diskurse funktionieren lässt; es gibt Mechanismen und Instanzen, die eine Unterscheidung von wahren und falschen Aussagen ermöglichen und den Modus festlegen, in dem die einen oder anderen sanktioniert werden; es gibt bevorzugte Techniken und Verfahren zur Wahrheitsfindung; es gibt einen Status für jene, die darüber zu befinden haben, was wahr ist und was nicht« (Foucault 1978, 51). Eine Politik der Wahrheit bedeutet hier aber eine von spezifischen Akteuren intendierte »Veränderung des politischen, ökonomischen und institutionellen Systems der Produktion von Wahrheit« (Foucault 1978, 54).

Der Aufsatz folgt subkutan den Annahmen postdemokratisch kontaminierter Elitenprojekte, wie sie bspw. von Slavoj Žižek oder Chantal Mouffe formuliert worden sind, dem Gedanken desozialer kapitalistischer Landnahme in den Arbeiten von Klaus Dörre, Stephan Lessenich und Hartmut Rosa sowie den Studien von Michel Foucault, die im Rahmen der Gouvernementalitätsdebatte bereits vielfach in bildungswissenschaftliche Forschungen eingeflossen sind, aber ebenso wie der Topos »symbolischer Gewalt« von Pierre Bourdieu – auf den im Rahmen der Arbeit eingegangen wird – bisher nicht auf eine Analyse universitärer Personalstrukturen bezogen wurden.2 Dabei positioniert sich der Aufsatz innerhalb der Bologna-Forschungsdiskussion explizit als wissenschaftlich fundierter, theoretisch reflektierter, aber pointiert-gesellschaftspolitischer Debattenbeitrag. Dies ist durchaus ein Desiderat in der Diskussion. Zwar hat es in den letzten Jahren unzählige Aufsätze zur völligen Praxisuntauglichkeit der Reformen gegeben, zwar wird in den Feuilletons der Zeitungen sporadisch auf die prekären Arbeitsbedingungen an den Hochschulen hingewiesen (ohne dass allerdings die Sachzwangrhetorik der Verantwortlichen dadurch hätte gebremst werden können), doch eine Verknüpfung theoretischer Ansätze mit einem betont gesellschaftspolitischen Debattenbeitrag aus der Perspektive des akademischen Mittelbaus findet in der Regel nicht statt. Dies ist insofern wenig verwunderlich, existiert doch eine wissenschaftlich begründete Theorie der Universität bisher nur in Fragmenten und ist die soziale und materielle Abhängigkeit der Akteure des Mittelbaus sowie das damit verbundene erhöhte Risiko der Selbstmarginalisierung wenig geeignet für eine öffentliche elitenkritische Positionierung, die sich nicht auf eine spezifische diskursive Technik verpflichten lassen will.

Richard Münch, der sich empirisch-differenziert mit dem Bologna-Prozess beschäftigt hat, beschreibt die akademische Transformation komprimiert und zutreffend so: »In der ökonomisierten akademischen Welt ist die Universität nicht mehr der Ort, an dem die akademische Gemeinschaft … den Erkenntnisprozess vorantreibt, vielmehr wird sie zu einem Unternehmen, das seine Ressourcen nach ökonomischen Kriterien einsetzt, um sich größtmögliche Marktanteile im Wettbewerb um Gelder, Forschende, Lehrende und Studierende zu sichern. In diesem Sinne muss die unternehmerische Universität Profit maximieren, zählbar in der Einnahme von Forschungsgeldern, der Rekrutierung angesehener Wissenschaftler, der Zahl von Bewerbungen um einen Studienplatz und letztlich in der Platzierung in Rankings. […] Die Gleichschaltung aller Funktionsbereiche der Gesellschaft im Zuge dieser globalen Hegemonie des Marktparadigmas … ist ein Beweis dafür, wie weit die Verarmung des Wissens in den Gesellschaftswissenschaften schon fortgeschritten ist« (Münch 2011, 75, 93).

Zwar wird über die Ergebnisse des deutschen Bildungstaylorismus selbst bei einstigen Protagonisten der Reform kritisch nachgedacht (so äußerte Dieter Lenzen kurioserweise, dass das Hochschulsystem »Opfer eines politischen Tricks« (Lenzen 2012) geworden sei und der HRK-Präsident Horst Hippler übte öffentliche Kritik an der Grundausrichtung der Reform), allerdings weist dies nicht darauf hin, dass die Logik der Transformation hier grundsätzlich in Frage gestellt wird, denn hochschulpolitisch herrscht mehr denn je eine Semantik der unhintergehbaren Sachzwänge, erfolgt Kritik außerhalb der persönlichen Gefährdungszone und wird der Verursacher der Krise nicht in der eigenen Institution gesehen. Einer Institution, die im selbstgewählten Kontext »atemloser Kurzsichtigkeit und richtungsloser Innovationswut« (Kodalle und Rosa 2008, X) agiert, deren Akteuren es aber an einer gesellschaftspolitischen Perspektive fehlt dies nicht lediglich als eine Verschiebung spezifischer Karrierebedingungen zu begreifen, sondern als eine grundlegende Entakademisierung der Universität zu drittmittelabhängigen Massenausbildungsdienstleistern (mit politisch gewollter Noteninflation).

 

Die technokratisierte Bologna-Dienstleistungsuniversität

In der letzten Dekade hat sich im deutschen Hochschulsystem ein grundlegender Systemwechsel vollzogen. Dieser Strukturwandel universitärer Gegenwartsgesellschaft ist eng mit einem Austausch regulativer Leitideen für die Produktion von wissenschaftlicher Rationalität verknüpft. Mit der Umstellung akademischer Codes auf Praxiscodes, mit der Forcierung einer unternehmerischen Dienstleistungsuniversität und mit der weitgehenden Verschulung der Studiengänge sind Konversionen in Gang gesetzt worden, die einen allgemeinen Bedeutungswandel von Wissenschaft festzuschreiben versuchen. Eng gekoppelt ist diese Systemtransformation an einen Mentalitätswandel des universitären Subjekts, welcher sich an der zunehmenden utilitaristischen Instrumentalisierung von Wissen im öffentlichen Bewusstsein zeigt. Insofern diese Veränderungen als Teil eines umfassenden säkularen Prozesses angesehen werden können, in dessen Verlauf die statusdistributiven Funktionen von Bildung, Ausbildung und Weiterbildung im Verhalten der Bevölkerung zwar nachhaltig Resonanz gefunden haben, von den Individuen allerdings primär als strategische Ressource im Kampf um Lebensoptionen und als wichtiges Differenzkriterium in der Statuskonkurrenz angesehen werden, steht Wissen, als ein Grundbaustein der »meritokratischen Triade« (Kreckel 1997, 97), im Zentrum der Leistungsideologie modernisierter Gesellschaften. Vor diesem Hintergrund stellen die hochschulpolitischen Bologna-Reformen die geeignete institutionelle Struktur für einen Mentalitätswandel derjenigen Universitätsrektoren, Wissenschaftler und Studierenden bereit, welche allein auf eine rationalisierte Rendite für ihr Karrieredesign zielen.

Diese Vergesellschaftung der Wissenschaft, d.h. die Kopplung von Wissenschaft an Politik, Wirtschaft und Medien, ist dabei in einen übergreifenden Prozess der Modernisierung (Rationalisierung, Standardisierung, Differenzierung, Individualisierung, Sozialdisziplinierung, Aktivierung, Subjektivierung, Feminisierung, Selbstoptimierung), des Hedonismus, Konsumismus und der Pseudo-Akademisierung eingebunden. Wissenschaftstheoretisch ist die Universität hier als gesellschaftliches Produkt zu verstehen, in das soziale Prozesse und Strukturen, Kämpfe, Interessen und Konfrontationen, d.h. die Formierung von Wissen, Macht und Diskursen, eingeschrieben sind, da hier kulturspezifische Technologien der flexiblen Produktion des Körpers, also Praktiken der Subjektivierung, mit den Dynamisierungslogiken post-akademischer Bildungsräume verschmelzen. Um die traditionelle Wissensproduktion nachhaltig zu beschädigen, bedarf es dabei vor allem die ökonomische Nützlichkeit der Individuen zu verdichten und den Prozess der Sozialdisziplinierung im Sinne einer spezifisch-politischen Rationalität des wissenschaftlichen Feldes weiterzuführen, d.h. den Vorgang, der das Subjekt der Universität zugleich gefügig, berechenbar, leistungsfähiger und effizienter macht.

Die Förderung einer unternehmerischen Kultur an den Hochschulen zielt somit primär darauf ab, Studierende und Lehrende über die Veränderung eines wissenschaftlichen Arbeitsbegriffs zu einem spezifischen Leitbild zu disziplinieren und zu konditionieren. Hier sollen der Arbeitsdruck erhöht, das Zeitmanagement geschult und Konkurrenz sowie Wettbewerb internalisiert werden. Intensive Reflexion wird durch einen zu messenden, substantiell reduzierten und vorgegebenen tayloristisch normierten Arbeitsaufwand der Studierenden (workload) ersetzt, eingebettet in industriell pflichtmäßig abzuarbeitende Module, so dass eine funktionale Verflechtung von Effizienzsteigerung und Wissensverfügung den Typus eines diszipliniert-fordistischen, aber flexibilisierten Wissens-Arbeiters evozieren soll. Der Schwierigkeitsgrad und Wert auch geistiger Tätigkeiten ist exakt zu messen, zu klassifizieren und funktional in ein abstraktes, rigides Reglement von Leistungs- und Zeiteinheiten des wissenschaftlichen Normarbeiters (ECTS) zu gliedern. Die fatale EU- und OECD-Doktrin einer Mobilmachung von Bildung für immerwährendes Wirtschaftswachstum bildet hier den normativen Hintergrund. Demgemäß wird Wissenschaftspolitik mehr und mehr zu einer politischen Ökonomie der rechnerischen Planung, Verwaltung und Regulierung, bei der die Studierenden von Politik, Ökonomie und Öffentlichkeit als ein wertvolles und deshalb nützliches Gut für den Wohlstand der Nation entdeckt worden sind, so dass die Studierendenquoten und die akademischen Abschlüsse gesteigert werden sollen, um in globalen Bildungsstudien ansprechendes Vergleichszahlenmaterial vorweisen zu können.

Bereits in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts war die ausgerufene »Bildungskatastrophe« (Picht 1964) Anlass für die Forderung nach einer technokratischen Universitätsdressur. Die Reform sollte auf Rationalisierung und Kostenersparnis, also quantitative Output-Orientierung angelegt sein, die Studiengänge sollten gestrafft, das Studium insgesamt stärker reglementiert und einem höheren Leistungsdruck durch Zwischenprüfungen unterworfen werden. Der Weg von der Ordinarien-, über die Gruppenuniversität zur hybriden postdemokratischen Bologna-Dienstleistungshochschule konnte aber erst durch den transnationalen europäischen Integrationsüberschuss zu einer hegemonialen Ideologie gemacht werden; erst »Bologna« bot die Möglichkeit aus einer unverbindlichen Deklaration einen unhintergehbaren, angeblich nicht mehr zu revidierenden Systemzwang zu machen, da die europäische Transnationalität in allen politisch relevanten Milieus grundsätzlich positiv konnotiert und öffentliche Kritik in Deutschland an der Hybris europäisch-normierender Großraumpolitik und Pseudovereinheitlichung weitgehend tabuisiert ist.

Ein wesentlicher Grund für die Bologna-Transformation in Deutschland ist allerdings die politisch zu verantwortende, chronische Unterfinanzierung der Universitäten gewesen, die bereits über Jahrzehnte anhält und schon in jedwedem Ansatz keine befriedigende Lösung der strukturellen Probleme erlaubt. Spätestens seit dem – zwischen Staat und Universitäten vereinbarten – so genannten »Öffnungsbeschluss« der späten siebziger Jahre, welcher eigentlich eine lediglich zeitlich befristete Überlastquote festgeschrieben hatte, befindet sich die Republik in einem hochschulpolitischen Ausnahmezustand, der durch die Verkürzung des Studiums für die Masse der Studierenden finanziell und organisatorisch eingehegt werden sollte. Demzufolge sollen nun mit möglichst wenigen Mitteln möglichst viele akademische Abschlüsse (nicht Akademiker) in möglichst kurzer Zeit produziert werden, um die OECD-Quoten erfüllen zu können. Da Mittelzuweisungen der Hochschulen auch an die in der Regelstudienzeit produzierten Akademiker gekoppelt sind, lautet das Postulat deutscher Universitätsrektoren heute – in einer Art staatssozialistischem Naturalkennziffernsystem – deshalb relativ unisono: »Mehr Absolventen, mehr Promotionen und mehr Drittmittel.«3

Diese Transformation wird zwar von außen durch die Logik von Politik, Ökonomie und Öffentlichkeit an die Wissenschaft herangetragen, ist allerdings ebenso von allen Akteuren im wissenschaftlichen Feld assistiert, die, in einem vorauseilenden Konsens »defensiver Reformbereitschaft« (Steinert 2010), die vorhandenen Gestaltungsspielräume zur Bewahrung unbürokratischer, entschleunigter Lehrformen und Lerninhalte weitgehend ungenutzt gelassen haben. Denn es wird keineswegs ausreichen das System lediglich mit mehr staatlicher Förderung auszustatten, sollte diese nicht intelligent für die Kernaufgaben einer Universität Verwendung finden. Dabei hätte es keiner allzu langen Reflexion bedurft, um zu erkennen, dass eine Reform, die primär darauf angelegt ist möglichst viele Studierende in möglichst kurzer Zeit durch das System schleusen zu wollen, eine unverhältnismäßige Erhöhung des steuerungs-bürokratischen Aufwands erfordert, also einen kosten- und zeitintensiven Verwaltungs-, Evaluations- und Akkreditierungsapparat numerokratischer Sichtbarkeitsregime evoziert, die – als Qualitätsmanagementsysteme getarnt – nunmehr zugleich als operative Kontroll- und Disziplinierungsorgane sowohl für die Studierenden als auch für die Mitarbeiter fungieren. Flankiert wird dieser Apparat in der Regel durch ebenso kostenintensive lokale Campus Management Systeme, personell assistiert durch eine Heerschar von Hilfskräften bzw. (neu-deutsch) »Academic Advisors im Student Service Center«, damit die Studierenden in ihrem »Student-Life-Cycle« schulisch betreut werden und trotz (vollkommen unnötiger) komplexer hundertseitiger Modulordnungen das getaktete Studium dennoch (um jeden Preis) in der vorgeschriebenen Regelstudienzeit absolvieren werden. Die eigentlichen Gewinner der Hochschultransformation finden sich demzufolge in den Reihen einer Verwaltungs-, Planungs- und Bildungstechnokratie, welche vor allem das projektbezogene Management von Wissenschaftsclustern sowie die Verwaltung großer anonymer Menschenmassen zum vorrangigen Prinzip der Universität erklärt hat. Es wird normiert. Es wird Komplexität aber Beliebigkeit produziert. Und es herrscht ein bizarrer Glaube an die Planbarkeit von Wissenschaft, die sich gerne am jeweils politisch Erwünschten orientiert. Für wissenschaftliche Gelehrtheit, Intellektualität oder auch nur theoretischen Anspruch ist die Bologna-Universität dagegen ein eher feindlich gesinntes Terrain.4

Bemerkenswert ist daher, dass an einem Ort, an dem mit gewisser Berechtigung ein intellektuelles Potential zu vermuten wäre, beklemmend anspruchslose, ideologische Heilslehren entakademisierter, technokratischer Massenproduktion weitgehend undifferenziert aufgenommen, umgesetzt und weiterverbreitet worden sind. Der Philosoph Konrad Paul Liessmann spricht deshalb vollkommen zutreffend von einer geistigen Selbstkolonialisierung, in der man sich »über die Willfährigkeit der Intelligenz gegenüber anderen … totalitären Versuchungen nicht mehr wundern« (Liessmann 2006, 47) sollte, die Gießener Politikwissenschaftlerin Barbara Holland-Cunz von einer »fügsamen Selbstregierung«, d.h. einer »bereitwilligen und effizienten Selbstbeteiligung der meisten WissenschaftlerInnen am Prozess der eigenen Neoliberalisierung« (Holland-Cunz 2005, 164) und die Sozialwissenschaftler Sascha Liebermann und Thomas Loer attestieren eine »Selbstentmachtung der Wissenschaft durch die Wissenschaftler« und einen »vorauseilenden Gehorsam« der Professorenschaft mit der Tendenz zur »Überanpassung« (Liebermann und Loer 2006, 323; dies. 2013).

Soziale Demarkationslinien

Diese hier skizzierte Situation der Universitäten betrifft sowohl die Studierenden als auch den akademischen Mittelbau in besonderem Maße. Während allerdings die Anliegen der Studierenden in der Öffentlichkeit und bei den Verantwortlichen eine gewisse, wenn auch letztlich lediglich strategisch-verständnisvolle Resonanz finden, da sie ja begehrte Kunden der Universität sind, bleibt die Lage der Beschäftigten an den Hochschulen in der Regel auch dialogisch unberücksichtigt, herrscht hier mancherorts eher eine Kultur des Misstrauens, wird der Druck aber gezielt und selektiv nach unten weitergegeben. Dabei sind die Leidtragenden der Entwicklung primär in den Reihen des lehrenden Mittelbaus zu finden, da ein über Jahrzehnte andauernder kontinuierlicher Anstieg der Studierendenzahlen und ein mit den neuen Studiengängen verbundener höherer Lehr- und Prüfungsaufwand die institutionellen Fehlentwicklungen, die strukturellen Personalprobleme und die destruktiven akademischen Umgangsweisen immer deutlicher hat werden lassen. Da die Reformen aber weitgehend kostenneutral durchgeführt und primär durch die erhöhte Arbeitsbereitschaft eines Teils des wissenschaftlichen Personals aufgefangen worden sind, erweist sich die Universität einmal mehr als paradoxe Institution, die – im Sinne Pierre Bourdieus – durch relativ manifeste Hierarchien und teils offene, teils sehr subtile Machtverhältnisse strukturiert ist, die durch die jeweilige Positionierung der Individuen im sozialen Feld bestimmt sind (Bourdieu 1998, 20ff). Dabei vereint die Universität, nach dem Herrschaftsprinzip »divide et impera«, noch in sich heterogene Statusgruppen mit sehr unterschiedlichen Interessen. Dieses – weniger über wissenschaftliche Qualifikation denn über eine Arkanpolitik intransparenten Netzwerkmarketings persönlicher Kooptationen – ungleich verteilte symbolische Kapital definiert hier das Ausmaß der Integration und Exklusion, der sozialen Schließung und Privilegierung, der Freiheit und Ausbeutung der akademischen Mitarbeiter (Metz-Göckel 2008, 213). »Der gegenwärtig zu beobachtende ‚Strukturwandel der Öffentlichkeit‘ (Jürgen Habermas) … geht einher mit einer zunehmenden Refeudalisierung der Herrschaftsverhältnisse«, also der »Gewährung von Zugangschancen durch konsequente Abschaffung von Leistungskriterien insbesondere in jenen sozialen Räumen, in denen durch informelle Beziehungsarbeit miteinander gut vernetzte Stände entstanden sind« (Kamphausen 2013).5

Auch wenn das Gros der Lehre in Deutschland von einem heterogenen Mittelbau aus wissenschaftlichen Mitarbeitern, akademischen Räten, Lehrkräften für besondere Aufgaben und Lektoren mit hohem Lehrdeputat, wissenschaftlichen Hilfskräften und Privatdozenten getragen wird,6 rangieren diese in der Hierarchie der Universität doch am unteren Ende der akademischen Anerkennungsskala. Dabei ist dieser Personenkreis in besonderem Maße eingeklemmt zwischen den diffusen Dienstleistungsanforderungen der Studierenden und den sozialistisch anmutenden Durchhalteparolen der Universitätsleitungen, die – nach dem Motto »wir-sitzen-alle-in-einem-Boot« – gerne ein »Höchstmaß an Engagement zum Wohle aller« fordern und dafür zugleich »zwangsläufige Einschränkungen und Mehrbelastungen« offerieren. Denn analog zur Studien- und Prüfungssituation der Studierenden, hat sich auch die Personalstruktur zugespitzt. So hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung bereits für das Jahr 2007 eine Quote von 74% der wissenschaftlichen Mitarbeiter festgestellt, welche eine befristete Anstellung ohne Aussicht auf Dauerbeschäftigung haben und das Statistische Bundesamt stellte jüngst fest, dass der wissenschaftliche Nachwuchs an deutschen Universitäten deutlich häufiger befristet beschäftigt ist als es andere Erwerbstätige in diesem Alter sind. Gegenwärtig besitzen ca. 90%-95% der Mittelbau-Angehörigen keinen Dauervertrag und ebenso viele derjenigen Personen, die im wissenschaftlichen Bereich tätig sind, müssen diesen wieder verlassen, da die herrschende hochschulpolitische Strategie auf die Schaffung von in der Regel lediglich prekären Beschäftigungsverhältnissen unterhalb der professoralen Ebene abzielt.7 Zudem liegen die meisten Vertragslaufzeiten bei einem Jahr und machen eine, auch nur halbwegs rudimentäre, Lebensplanung für die Betroffenen kaum möglich, da die Verträge meist äußerst kurzfristig abgeschlossen werden. D.h. die Universitäten schaffen auch für explizite Daueraufgaben kaum unbefristete oder länger befristete Stellen, sondern bevorzugen eine Personalpraxis, die wohl nichts so sehr scheut wie Kontinuität. Denn auch an den Universitäten ist Flexibilität nicht nur ein Verhaltensimperativ für die Mitarbeiter,8 sondern zugleich ein betriebswirtschaftliches Dogma, das sich im Bereich der Arbeitsorganisation und Arbeitswelt als Kostensenkung bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung bemerkbar machen soll, in praxi allerdings vor allem den engen sozialen Zusammenhang von Flexibilisierung und Prekarisierung verdeutlicht.

»Regieren mittels Unsicherheit« (Legnaro und Birenheide 2008) ist zu einer festen hochschulpolitischen Praxis geworden, indem diese ein permanentes Bedrohungsszenario schafft, das als Motivationsfaktor für den Bewährungsaufstieg dienen soll, in der Realität aber ausgesprochen demotivierend wirkt. Banscherus et al. folgern in ihrer Studie daher zutreffend: »Es kann bezweifelt werden, dass die Hochschulen hier immer im eigenem wohlverstandenen Interesse handeln. […] Plausibler ist, dass Wissenschaft als kreative Arbeit den Druck solcher Beschäftigungsverhältnisse nur bis zu einem gewissen Grad ohne Produktivitätsverlust toleriert. Alle positiven Effekte wie Motivation und Mobilität, die sich mit Befristung prinzipiell verbinden lassen, dürften … von den Belastungen der Unsicherheit und des permanenten bürokratischen Aufwands überlagert werden« (Banscherus et al. 2009, 34).9 Dies ist relativ vorsichtig formuliert, kann ein Arbeitsverhältnis doch dann als prekär bezeichnet werden, wenn Beschäftigung und Einkommen auf längere Sicht ungewiss sind, also ein Verzicht auf biographische Planungshorizonte vorliegt. In diesem Sinne werden in der Realität der Universität gravierende Zumutungen an die Lebensführung des Einzelnen, seine biographischen Sicherheiten, seine sozialen Bindungen, seine materiellen, sozialen sowie topographischen Teilhaberechte gestellt und die berufliche Daseinsberechtigung grundsätzlich beschädigt.10 Existentielle Unsicherheit, zunehmender Leistungsdruck, psychische Belastung sowie Frustration über die Arbeitsbedingungen und hierarchischen personalen Führungsstrukturen sind die signifikanten Merkmale. Nicht nur deshalb ist dieses Personalmanagement selbst für die Universitäten wenig effizient, wenn in einem permanenten Rotationsverfahren auch für explizite Daueraufgaben neue Mitarbeiter eingestellt werden, die sich immer wieder in die umfänglichen (und mittlerweile ja von Hochschule zu Hochschule völlig verschiedenen) Studien-, Modul- und Prüfungsordnungen einarbeiten sowie ihre Lehre den örtlichen Fakultätskulturen angleichen müssen, nur um dann kurz nach der Einarbeitung wieder ausgewechselt zu werden. Banscherus et al. resümieren hier, dass »der Trend zu befristeter Beschäftigung in der Wissenschaft ungebrochen ist. […] Unbefristete Beschäftigungsverhältnisse im akademischen Mittelbau jedenfalls können bei der derzeitigen Einstellungspraxis kaum noch als reale Berufsalternative zu einer Professur gelten. Es ist geübte Praxis an vielen Hochschulen, Positionen, wenn diese frei werden, durch Personen mit befristeten Arbeitsverträgen zu besetzen und auf diese Weise die Konkurrenz um dauerhafte Beschäftigungsoptionen an den Hochschulen weiter zu verschärfen« (Banscherus et al. 2009, 31).

Allerdings sind durch diese intendierte politische Fehlsteuerung verfehlter moralischer Praxis für die Universitäten billige, bequeme und weitgehend unsichtbare Dauerlösungen zur Rekrutierung dienstbarer wissenschaftlicher Hilfsameisen geschaffen worden, ohne deren Arbeitsleistung (die oftmals ohne zureichende institutionelle Ressourcen erfolgen muss) das gesamte Hochschulsystem innerhalb kürzester Zeit implodieren würde. Da die wenigen Professoren und fest angestellten Wissenschaftler nicht einmal für einen kurzen Zeitraum in der Lage wären den Lehr-, Betreuungs- und Prüfungsaufwand auch nur ansatzweise zu gewährleisten, kann man davon sprechen, dass ein Großteil des universitären Lehrbetriebs von einem systemrelevanten Prekariat geleistet wird, welches paradoxerweise die gesellschaftlichen Führungskräfte von morgen ausbilden soll. Zwar wird in der novellierten Lehrverpflichtungsordnung des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen die Bedeutung der Lehre hervorgehoben: »Die Qualität der Lehre und der Betreuung von Studierenden ist für den Studienerfolg und die Vorbereitung der Studierenden auf die Übernahme von Aufgaben und Tätigkeiten in akademischen Berufsfeldern von überragender Bedeutung« (Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie 2009, 13). In der Realität deutscher Hochschulen zählt Engagement in der Lehre allerdings eher wenig, im Gegenteil: Wer seinen »Lehrauftrag« hier ernst nimmt, wird von den Kollegen eher bemitleidet, da ein hoher Lehr- und Beratungsaufwand als hinderlich für die Karriere gilt und demzufolge Personalkategorien auf der Basis befristeter Verträge mit hohen Lehrdeputaten einen außerordentlich geringen Anerkennungswert an der Universität besitzen. Wenn bspw. so genannte nebenberuflich tätige Wissenschaftler, d.h. Lehrbeauftragte, als Billigstlohnlehrkräfte eingesetzt werden, welche ca. 800,- € für einen gesamten Lehrauftrag pro Semester erhalten (ohne hier Vor- und Nachbereitungszeiten oder gar Prüfungen, Korrekturen oder anfallende logistisch-administrative Arbeiten zu berücksichtigen),11 macht dies deutlich, dass es sich hier nicht um ein strukturelles Problem handelt, hingegen wohl eher eine grundsätzliche Akzeptanz in Politik und Wissenschaft besteht qualifizierte Arbeit nicht angemessen oder überhaupt nicht besolden zu wollen.

Trotz fataler Auswirkungen wird diese Personalpolitik als grundsätzlich legitim angesehen und gerne mit der Finanzlage bzw. der Flexibilisierungsnotwendigkeit für die Institution begründet. Hier hat sich das gern bemühte Argument von Hochschulverantwortlichen und Bildungspolitik, dass die Studierendenzahlen in absehbarer Zeit abnehmen werden, bereits seit dem Öffnungsbeschluss der siebziger Jahre als politisch-strategische Chimäre herausgestellt. Angesichts der permanenten Steigerung der nationalen Akademikerquoten, dem von EU und OECD o.a. gefordertem generellen Trend zur Durch- bzw. Pseudo-Akademisierung der Berufswelt, dem Anliegen lebenslangen Lernens oder dem Faktum, dass immer mehr Schüler Abitur machen, immer mehr Abiturienten studieren wollen und ein Studium auch ohne Abitur kein Hindernis mehr darstellt, scheinen die Prognosen kommender Studierendengenerationen hinsichtlich der Personalplanung an den Universitäten wohl gerne bewusst nach unten korrigiert zu werden, nur um keine Begehrlichkeiten hinsichtlich einer langfristigen Aufstockung der Personalausstattung zu wecken. Angesichts aktueller Prognosen der Kultusminister- und Hochschulrektorenkonferenz, die inzwischen davon ausgehen, dass die Gesellschaft sich für mehr als ein Jahrzehnt weiterhin auf eine dauerhaft hohe Zahl von Studierenden einstellen muss und die Auslastung der Hochschulen bis 2025 daher anhaltend hoch sein wird, wäre es allerdings längst überfällig, die seit Jahrzehnten bestehende politische Lebenslüge lediglich temporärer Überlast aufzugeben und sich auch in der Personalplanung an einer anhaltenden Dauerlast zu orientieren. »Selbst 2025 wird die Zahl der Studienanfänger noch deutlich über dem Niveau von 2005 liegen.« (HIS Pressemitteilung 2010).

Während es in anderen westlichen Universitätssystemen auf Dauer tätige Hochschullehrer mit eigenen Lehr- und Forschungsaufgaben gibt, fehlt an deutschen Universitäten diese Ebene der Dozenten, die dem angelsächsischen Lecturer oder dem französischen Maître de conférences entsprechen, fast völlig, da es kaum noch vergleichbare unbefristete akademische Ratsstellen mit angemessenem Lehrdeputat gibt. Beträgt der Anteil dieser fest angestellten Dozierenden in Deutschland lediglich ca. 1-2%, so liegt bspw. in den Niederlanden der Anteil bei ca. 29%, in Frankreich bei ca. 48% und in England bei ca. 34% (Kreckel 2008, 191).12 Wie auch der Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013 feststellt, weist die Personalstruktur an deutschen Universitäten spezifische Besonderheiten auf. So ist – im Gegensatz zu den USA, Frankreich und England – die überwiegende Mehrheit an deutschen Universitäten weisungsgebunden, nicht selbständig lehrend und forschend. Diese Personalstruktur forciert eine kartellartige Machtverteilung, die Privilegien, Ressourcen und Prestige in einer beispiellos kleinen Gruppe mit standardisierten Lebensläufen monopolisiert, während Befristung als Regelfall, Abhängigkeit, Weisungsgebundenheit und ein relativ niedriges Einkommen international eher unüblich, in Deutschland aber akzeptierte Praxis sind. Als Folge dieses Handelns der dominanten Akteure gegenüber den mit weniger Ressourcen ausgestatteten Akteuren findet eine allgemeine soziale Schließung des beruflichen akademischen Feldes statt, die mit den Mitteln der Altersdiskriminierung (WissZeitVG) noch gesteigert wird. Inklusion und Exklusion sind hier das Resultat strategisch handelnder Akteure, »die um die Partizipation an jenen Gütern kämpfen, die Gruppen, Organisationen oder Institutionen zu vergeben haben« (Mackert 2004, 11, 11f.). Wissenschaftliche Dauerpositionen und autonome Strukturen unterhalb der Professur gelten hier als unerwünscht und werden, wie Reinhard Kreckel zutreffend diagnostiziert, »mit Argwohn betrachtet« (Kreckel 2011, 57).

Berufsverbote: Innenansichten einer Parallelgesellschaft

Eine in der Öffentlichkeit und selbst auch unter Studierenden kaum bekannte Dramatisierung dieser sozialen Schließung stellt die Befristungsobergrenze im Wissenschaftsbetrieb dar. Die Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) ist seit April 2007 in Kraft und hat die Regelungen der Paragraphen 57a ff. des Hochschulrahmengesetzes (HRG) ersetzt und fortgeschrieben. Das Gesetz regelt den Abschluss von befristeten Arbeitsverträgen mit wissenschaftlichem und künstlerischem Personal an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Ein spezifisch brutales Exklusionsinstrument ist hier die 6+6-Jahres-Regel, da jenseits dieses Zeitrahmens lediglich noch unbefristete Beschäftigungsverhältnisse zugelassen werden. Dabei wird selbst die Bearbeitung eines Dissertationsthemas auf die Beschäftigungszeiten angerechnet, wenn überhaupt keine Beschäftigung an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung vorgelegen hat. Da der Staat im Bereich der Hochschullehre aber ein Quasimonopol innehat und kaum noch unbefristete Verträge abgeschlossen werden, bedeutet dies in der Praxis ein faktisches Berufsverbot nach spätestens zwölfjähriger Tätigkeit und damit eine in Paragraphen gefasste staatliche Missachtung der Lebensleistung gerade von qualifizierten, bereits promovierten oder habilitierten Wissenschaftlern, welche an politisch-elitärer Arroganz schwer zu überbieten ist. Dabei stellt sich vor allem auch die Frage, inwieweit eine Beschäftigung mit vorwiegender Lehrtätigkeit für Daueraufgaben eine Qualifikationsbefristung zulässig erscheinen lässt. Dies ist im Prinzip noch weitgehend ungeklärt und wird derzeit von den Universitäten unterschiedlich behandelt, teilweise jedoch mit juristischen Finessen zu umgehen versucht.

Eine Fixierung der Hochschulpolitik auf diesen allgemeinen sozialen »Verschrottungsmodus« spiegelt sich auch in den Äußerungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, welches die Ansicht vertritt, dass sich die Befristungsvorschriften »grundsätzlich bewährt« (Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung 2011) haben oder von Wissenschaftsorganisationen, welche die Vorschriften gar für unverzichtbar für den Wissenschaftsstandort Deutschland halten. »Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen spricht sich entschieden für eine unveränderte Fortführung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (Wiss-ZeitVG) aus. Es sei zum unverzichtbaren Instrument geworden, um die hohe Qualität unseres wissenschaftlichen Personals zu sichern, so die Allianz. […] Personelle Erneuerungsfähigkeit sichert das weltweit anerkannte hohe Niveau der deutschen Wissenschaft« (Herbort-von Loeper 2011). Paradoxerweise scheint hier aber lediglich der akademische Mittelbau kontinuierlich beseitigt werden zu müssen, während für die Professorenschaft eine »personelle Erneuerungsfähigkeit« aufgrund der Verbeamtung ja grundsätzlich ausgeschlossen bleibt. Dies ist lediglich insofern plausibel, sind Sicherheit und leistungsunabhängige Reputation innerhalb von Elitennetzwerken doch ein primäres Charakteristikum postdemokratischer Strukturen und forciert die diskriminierende Prekarisierung damit eine, offenbar gewollte, akademische Parallelgesellschaft. Neben dieser plausiblen Paradoxie stellt sich aber dann zugleich die Frage, auf welche Weise denn andere Nationen in der Lage sind, ihr hohes Niveau auch ohne Berufsverbot zu sichern? Insofern ist die Feststellung, dass »die Personalstrukturen an den Hochschulen … die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationssystems, das auf die Ausbildungsleistung der Hochschulen und hervorragenden wissenschaftlichen Nachwuchs angewiesen ist« gefährden und »die Hochschulen versuchen die Unsicherheiten der Finanzierung auf das wissenschaftliche Personal zu verlagern« (Bündnis90/Grünen 2010, 2), eine durchaus realitätsnahe Feststellung, die aber leider nur aus der politischen Opposition heraus formuliert ist und in der Regierungspraxis wohl opportunistisch ihrer Umsetzung harren würde. Dessen ungeachtet ist die Diagnose zutreffend, dass »das Wissenschaftszeitvertragsgesetz komplett gescheitert sei, da es faktisch erfahrene Wissenschaftler« aus den Universitäten dränge und diese lieber immer wieder aufs Neue durch frische Kräfte ersetze, so dass »die befristete Beschäftigung unterhalb der Professur zum Regelarbeitsverhältnis an den Hochschulen geworden ist« (Bündnis90/Grünen 2010, 4f).

Theoriesoziologisch lässt sich diese Analyse universitärer Personalstrukturen mit dem Konzept symbolischer Gewalt von Pierre Bourdieu13 als Ausdruck verfestigter asymmetrischer Machtverhältnisse, die auf politischen Strategien beruhen und auf die Stabilisierung einer spezifischen Verteilungsstruktur gerichtet sind, anschlussfähig fundieren. Im Fokus stehen hier Formen der Gewaltanwendung, die von einem Großteil der Mitarbeiter nicht als Gewalt wahrgenommen werden, aber dennoch die Anerkennung und Verfestigung von Herrschaftsformen an der Hochschule sichern, da sie als selbstverständlich gelten und auf einem internalisierten Glauben legitimierter Hierarchie beruhen, der wiederum ebenfalls nicht hinterfragt wird. Herrschenden und ebenso Beherrschten ist hier daran gelegen, das Abhängigkeitsverhältnis durch Strategien, welche die Herrschaftsverhältnisse beschönigen und verschleiern, durch Sprache, Klassifikationen, Artefakte und Architekturen aufrecht zu erhalten. Der herrschende Standpunkt, die Logik des Systems, oligarchische Strukturen, zutiefst partikulare Interessen und willkürliche Hierarchisierungen werden in weiten Teilen als legitim empfunden und habituell übernommen, auch, wenn diese zur Selbstausgrenzung, Selbstzensur, Selbstausbeutung, Selbstrationalisierung oder möglicherweise letztlich sogar zum Ausschluss der Beherrschten führt.

Der zentrale Bezugspunkt ist hier die Reproduktion der bestehenden hierarchischen Ordnung durch die Mitwirkung der Beherrschten, die sich diese Gewalt oftmals in vorauseilender Dienstfertigkeit selbst antun und zu den treibenden Kräften ihrer eigenen Ausbeutung werden, da sie sich vom Unterwerfungsprozess (durchaus berechtigterweise, wenn auch nicht erwartungssicher) Partizipationsgewinne symbolischer Macht und partikulare Anerkennungs- und Karrierevorteile versprechen (Silies 2011, 372ff; Nies und Sauer 2012, 40ff). Dies ist in einem hochfragmentierten Mittelbau von einzelkämpferischen Arbeitskraftunternehmern besonders sinnfällig. Die Etablierung von sozialer Macht beweist sich damit auch in universitären Arbeitszusammenhängen »in der mikro-physischen Aufzwingung einer Lebensform, … durch die wir zur Ent¬wicklung einer bestimmten Selbstbeziehung, einer bestimmten Form der Herrschaftsbereitschaft und einer bestimmten Form des Sozialkontaktes angehalten werden« […] »in dem Individuen einem gesellschaftskonstitutiven Netz sozialer Regeln dadurch unterworfen werden, daß sie diese durch wiederholte Formen der disziplinierten Einübung in ihrem psycho¬physischen Habitus vollständig zu übernehmen lernen« (Honneth 2003, 20f). Explizit deutet Pierre Bourdieu Formen prekärer Arbeitsverhältnisse als eine spezifische Herrschaftsform und Variante dieser symbolischen Gewalt, indem eine auf Dauer gestellte Unsicherheit die Menschen zur Akzeptanz ihrer eigenen Ausbeutung zwinge. Prekarisierung an Hochschulen, als ein netzwerkartig strukturierter biopolitischer Unterwerfungszusammenhang, stellt in diesem Sinne ein Paradigma symbolischer Gewalt dar, weil sich hier objektive Unsicherheit in die Personen einschreibt und zum Dauerzustand gemacht wird, weil die ungesicherten, immer fragilen Lebens- und Arbeitsbedingungen in einer Art »stillschweigendem vorreflexiven Konformismus« (Eickelpasch 2002, 51) als legitim angenommen werden, damit zu einer Komplizenschaft zwischen Herrschern und Beherrschten führen und zur Hinnahme von Ausbeutung zwingen (Pieper 2008, 219ff).

Die Personalsituation an deutschen Hochschulen verrät hier sicher ein erstaunliches Maß an symbolischer Gewalt und Indolenz gegenüber der relativen Deprivation der Mitarbeiter. Da relative Deprivation aber als Maß für Arbeitsunzufriedenheit gilt, Arbeitszufriedenheit wiederum mit der Produktivität und Innovationsfähigkeit von Betrieben und Volkswirtschaften korreliert und damit einen wichtigen »Parameter hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands« (Schmidt 2008, 12) darstellt, besteht ein Zusammenhang zwischen Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und Arbeitszufriedenheit.14 Kurzfristig mag also das Kalkül aufgehen, durch Befristungsdrohungen Motivationsgewinne zu erzielen, langfristig dürfte dies für die Universitäten aber eher fatale Folgen haben. Sieverding und Evers konstatieren denn auch, dass sich ein »negativer (signifikanter) Zusammenhang zwischen Befristung der Stelle und Karrierezufriedenheit« (Sieverding und Evers 2013) aufzeigen lässt.

Der Tenor von Tagungen zur Arbeitssoziologie – die in der Regel an Universitäten stattfinden, von dieser Institution selbst aber wohl bewusst ignoriert werden – resümiert, dass »moderne Arbeitswelten … eine weiterentwickelte Arbeitskultur und gute Führung sowie altersgemischte Teams« (Sträter 2012) etablieren müssen und Reformvorhaben an Hochschulen nur dann Akzeptanz finden und erfolgreich implementiert werden können, wenn diese sich auf längere Sicht nicht negativ, sondern positiv auf die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter auswirken. Wichtig sind nach René Krempkow hier Autonomie, berufliche Anerkennung, Arbeitsplatzsicherheit sowie Zufriedenheit mit den Lehrveranstaltungen. Diese Parameter haben einen überragenden Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit, während die Höhe des Gehalts in diesem Arbeitsumfeld nachrangiger zu gewichten ist (Krempkow 2006). Als besonders positive Autonomieeffekte in der Wissenschaft gelten dabei die Selbständigkeit der Lehre sowie die Zeitsouveränität. Diese werden von den Beschäftigten als positiv und motivierend hervorgehoben, sofern sie denn überhaupt noch vorhanden sind. Aufgrund von fehlender Anerkennung durch die Vorgesetzten oder mangelnder Menschenführung können diese Autonomieeffekte allerdings vollkommen konterkariert werden. Insgesamt sind als betriebliche Risikofaktoren zu nennen: eine fehlende Anerkennung der Tätigkeit, eine schlechte Entlohnung, Arbeitsplatzunsicherheit, mangelnde soziale Unterstützung am Arbeitsplatz, unprofessionelle Führungsqualitäten der Vorgesetzten bzw. demotivierendes Verhalten durch die Leitung der Institution (Konsortium Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013, 21; Deutscher Gewerkschaftsbund 2012; Buchhorn und Werle 2012; Bohulskyy, Erlinghagen und Scheller 2011, 6f; Pötschke 2003). Man muss hier kein drittmittelfinanziertes empirisches Langzeitprojekt in Auftrag geben, um zu erkennen, dass die negativen oder positiven Parameter genau die Demarkationslinie skizzieren, die prekäre Beschäftigung von den berechtigten Anliegen der Betroffenen auf einen angemessenen Arbeitsplatz unterscheidet: demokratische Strukturen einer sich selbst verwaltenden, autonomen Gemeinschaft/Genossenschaft, die allen Angehörigen der Universität reale partizipatorische Rechte einräumt und eine an den Bedürfnissen der Studierenden und der Mitarbeiter orientierte Studien- und Personalstruktur mit transparenten Stellenbesetzungsverfahren, bei denen das mittelalterliche Ständewesen (wie im Grundgedanken der »universitas magistrorum et scholarium«) aufgehoben ist.

In einer Umfrage eines Personalrats über die Arbeitszufriedenheit einer hier nicht namentlich zu nennenden Universität spiegelt sich ein Teil dieser Anliegen idealtypisch wider:

»Ich würde mich freuen, wenn die Führungskräfte (auch Würdenträger) einen Kurs in Menschenführung machen würden.«

»Vorgesetzte verhalten sich oft wie Feudalherren, die die Arbeitskraft der Mitarbeiter ausbeuten und für ihr Renommee benutzen.«

»Wünsche und Kritik von den unteren Statusgruppen werden nicht berücksichtigt. Man hat zu funktionieren.«

»Die Uni bietet nur angepassten Mitarbeitern, die bereit sind zu buckeln, Entwicklungsmöglichkeiten.«

Als eine allgemeine zivilisatorische Errungenschaft bliebe für die Wissenschaftspolitik aber vor allem die (auch explizit altersdiskriminierende) Praxis des Berufsverbots abzuschaffen und eine bedarfs- und anerkennungsgerechte Personalstruktur zu implementieren, die eine habituelle Kastenbildung innerhalb der Universität nicht weiter prolongiert und für Daueraufgaben langfristige oder unbefristete sowie adäquat besoldete, sozialversicherungspflichtige Funktionsstellen als Regelarbeitsverhältnisse einheitlich im Rang eines wissenschaftlichen Angestellten einrichtet. Es müssen dabei keine neuen Personalkategorien strategisch ersonnen werden, sondern: Die Forderung »Daueraufgaben mit Dauerstellen« (Templiner Manifest) zu erfüllen geht von der Vorstellung aus, dass, neben den traditionellen Qualifikationsstellen und Professuren, Lehre und Forschung ein Berufsfeld darstellen und demzufolge Wissenschaft als Beruf von Menschen mit unbefristeten Verträgen ausgeübt werden sollte. Und dies nicht zuletzt deshalb, weil sich die Daueraufgaben nur in Kontinuität und mit motivierten Mitarbeitern qualitativ anspruchsvoll erfüllen lassen.

Insofern bliebe einem universitären Forschungskolleg namens »Zukunft menschlich gestalten« eigentlich nur vehement zuzustimmen, allerdings nur dann, würde sie das Heil einer menschlichen Lebenswelt nicht bereits im Titel in die Zukunft hinein verlagern, sondern ganz konkret in der Gegenwart und Praxis der eigenen Institution ansiedeln: »Das Rektorat hat sich … dazu entschlossen, dass (sic!) Motto ‚Zukunft menschlich gestalten‘ .. als Leitidee des eigenen Arbeitens … gesamtuniversitär zu diskutieren. […] Das Rektorat bekennt sich … zur qualitätsvollen Lehre für universitäre wie außeruniversitäre Karrieren. […] Die Leitidee »Zukunft menschlich gestalten« ist insofern Programm und kein sinnleeres oder bloß populäres Label […] verknüpft mit dem Anspruch … eine menschliche Lebenswelt zu ermöglichen.« (Universität Siegen 2011, 4, 10).

Die grundsätzliche intellektuelle Herausforderung (gerade auch für die Verantwortlichen an den Universitäten) liegt also möglicherweise darin, den kulturellen Zeitgeistreferenzrahmen »totaler Mobilmachung« (Jünger 1930), sozialer Beschleunigung und Prekarisierung bei gleichzeitigem »Stillstellen der ideendynamischen und tiefenstrukturellen Entwicklung« (Rosa 1999, 255) kritisch zu überschreiten und den »rasenden Stillstand« (Virilio 1992) in Momenten des kreativen Zögerns sowie der angehaltenen Denkbewegung aufzuheben; d.h. die an Hochschulen eingesickerte ereignisorientiert-profilierungssüchtige Außendarstellung durch kritische Selbstreflexion, also Aufklärung, zu ersetzen: eine Universität am Rande der Zeit, die ihrer Zeit voraus und intelligent genug ist, dem ideologisch motivierten Zeitgeist nicht lediglich hörig, geist- und seelenlos hinterher zulaufen (Foucault 1992).

 

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Fußnoten

1 Für wesentliche semantische Anregungen und vielfältige Unterstützung danke ich ganz herzlich Kora Hoffmann, Christina Maria Koch und Sigrun Mützlitz.

Siehe dazu Sieyès 1789.

2 Einen expliziten Überblick über den jeweiligen Forschungsstand im Rahmen dieses Aufsatzes geben zu wollen, wäre nicht seriös. Um den Text nicht zu überfrachten, habe ich daher auch auf einen Überblick über den Literaturstand verzichtet. In der Bibliographie allerdings lassen sich die entsprechenden Bücher und Aufsätze finden. Die theoretischen Bezüge können im Rahmen des Aufsatzes ebenfalls nur angedeutet werden und bleiben zwangsläufig unterkomplex. Für eine explizite Auseinandersetzung vgl. auch Jann 2007; Zur Transformation der Hochschule vgl. Jann 2010.

3 Lediglich exemplarisch Radtke (2008). Ulrich Radtke hat allerdings kürzlich zutreffend auch darauf verwiesen, dass bei einer Quote von über 50% Hochschulzugangsberechtigten „der Pool der kreativen Intelligenz irgendwann erschöpft sein wird“ (Radtke 2013).

4 Vgl. auch Hansen 2013.

5 Seminare zum Beziehungsmarketing gehören mittlerweile bereits zum Curriculum von Graduiertenkollegs. Vgl. zur intransparenten Stellenvergabe und der Relevanz persönlicher Netzwerke in der Wissenschaft auch Samida 2010, 174ff.

6 Zu den Personalgrößen vgl. Statistisches Bundesamt: Bildung und Kultur 2012; Banscherus et al. 2009, 25ff.; zur Problematik vgl. auch Kellermann, Boni und Meyer-Renschhausen 2009; In der Tat wären die meisten der heute prekär beschäftigten LfbA früher als akademische Räte mit entfristeten Verträgen angestellt worden. Allerdings haben Ratsstellen heute u.U. eine bizarre Größe von Studierenden in ihren Veranstaltungen zu betreuen.

7 Die Zahlen zur Befristungsproblematik variieren in der Literatur zwar je nach Zuordnung, sind aber aktuell zwischen 90%-95% angesiedelt. Vgl. Konsortium Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013, 15; Schomburg, Flöther und Wolf 2012, 31ff; Bundesministerium für Bildung und Forschung 2011, 36; Statistisches Bundesamt 2013; Banscherus et al. 2009, 31; GEW 2013. Leider gehört es zu den akademischen Sitten einer „Verachtungskultur“, dass diejenigen, die es auf eine Professur geschafft haben, oftmals mit Unverständnis auf diejenigen herabblicken, die es offenkundig – wohl allein aus mangelnder Leistungsbereitschaft – „nicht geschafft“ haben, da gerade im Exzellenz- und Hochleistungsausleseapparat der Universität dieses Scheitern im Kollegenkreis als ein rein selbstverschuldetes Stigma angesehen wird.

8 Vgl. auch zu den psychischen Auswirkungen in der neuen Arbeitswelt Gruber 2008, 69ff.

9 Vgl. zur Debatte um die Hochqualifizierten auch Sander 2011, 147ff.

10 Klecha und Reimer unterscheiden hier fünf Dimensionen der Prekarität: die reproduktiv-materielle Dimension, die sozial-kommunikative Dimension, die rechtlich-institutionelle oder Partizipationsdimension, die Status- und Anerkennungsdimension, die arbeitsinhaltliche Dimension. (Klecha und Reimer 2008, 37).

11 Formal sind diese als Freiberufler tätig und müssen von den Aufwandsentschädigungen hohe Sozial- und Krankenversicherungsbeiträge zahlen. Zudem werden Lehraufträge auch völlig unvergütet erbracht, ebenso wie dies auch von den Privatdozenten erwartet wird, damit diese nicht ihre „Venia Legendi“ verlieren.

12 Für eine differenziertere Analyse, die hier nicht geleistet werden kann, vgl. Kreckel 2008a/b; Konsortium Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013, 14, 21. Siehe auch die Anträge von Bündnis 90/Die Grünen 2010 sowie Die Linke 2011.

13 Vgl. auch Schmidt und Woltersdorff 2008.

14 Die allgemeine Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten in Deutschland hat langfristig abgenommen und wird im internationalen Vergleich nur noch von der Slowakei, Ukraine, Bulgarien und Russland unterboten. Wesentliche Faktoren sind die negative Entwicklung der Verteilungsrelationen, eine Zunahme der Lohnspreizung, die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, eine Intensivierung des Leistungsdrucks, eine Verstärkung der Arbeitsintensität und der zeitlichen Arbeitsbelastung sowie fehlende Ressourcen und mangelnde Kooperation am Arbeitsplatz (Bohulskyy, Erlinghagen und Scheller 2011).

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